Missionsgebetsmeinung des Papstes - März 2015

März 2015

Für die Frauen, die sich in Kirche und Gesellschaft engagieren, dass sie in ihrem einzigartigen Beitrag in der Kirche stets hoch geschätzt und anerkannt werden.

P. Jean Prosper Agbagnon SVD, TOG

Heute Morgen ist es mir wieder passiert. Ich stand in der Kirche St. Rochus in Bonn-Duisdorf in der Frühmesse vor 15 Frauen und begrüßte sie „liebe Schwestern und Brüder“, ehe ich feststellen musste, da war gar kein Bruder außer mir. Irgendwann muss ich mich einfach daran gewöhnen, „liebe Schwestern“ zu sagen, ohne nach einem Bruder in der Runde zu schauen. Bevor ich eintraf, hat die 85 jährige ehrenamtliche Küsterin bereits alles gerichtet und die Lesung des Tages durchgelesen. Diese pastorale Erfahrung prägt immer mehr meine Berufung und meine Tätigkeit. 

Der hl. Paulus schreibt einmal in seinem Brief an die Römer: „Ich empfehle euch unsere Schwester Phöbe, die Dienerin der Gemeinde von Kenchreä: Nehmt sie im Namen des Herrn auf, wie es Heilige tun sollen, und steht ihr in jeder Sache bei, in der sie euch braucht; sie selbst hat vielen, darunter auch mir, geholfen“ (Röm 16,1-2). Von einer Frau als Dienerin der Gemeinde ist die Rede. „Dienerin“ ist genau das deutsche Äquivalent für „Diakonos“ im griechischen Originaltext. Eine Frau als Diakonin in der Gemeinde? Soll dies ein Einzelfall oder ein Präzedenzfall sein? Dass Frauen in der Urkirche als Trägerinnen der Frohbotschaft in der Glaubensunterweisung und in der Armenfürsorge aktiv waren, darüber dürfte kein Zweifel bestehen. Die genaue Bezeichnung dieser Tätigkeit und die Einbindung der Frauen in die Weiheämter der Kirche stehen derzeit vehement zur Debatte. Leidenschaftlich wird nach bestätigenden Indizien von Ämterträgerinnen im Neuen Testament gesucht. Hinterfragt wird fieberhaft, ob der in Röm 16,7 erwähnte Apostelname eine Frau Junia oder ein Mann Junias wäre. Während Kritiker diese Entwicklung mit Skepsis verfolgen, macht sich bei vielen Befürwortern die Ungeduld langsam breit. Diese wichtige Dimension der missionarischen Leistung der Frauen zu schätzen und zu würdigen, war aber immer ein Anliegen und ein Bedürfnis der kirchlichen Obrigkeiten. So erwähnt bereits der Heilige Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben „Mulieris Dignitatem“ im Namen der Kirche seine „Dankbarkeit für alle Frauen und jede einzelne, für alle Äußerungen des weiblichen ‚Geistes‘, die sich im Laufe der Geschichte bei allen Völkern und Nationen gezeigt haben“ (31). Sein Nachfolger Benedikt XVI stellte mehrfach das Thema „Frauen im Dienst des Evangeliums“ in den Mittelpunkt seiner Ansprachen (vgl. seine Katechese am Mittwochvormittag am 14. Februar 2007). Anhand von mehreren biblischen Belegen betont Papst Benedikt XVI., dass auch in der Urkirche „die Präsenz der Frauen alles andere als zweitrangig“ war, und dass ohne sie die Geschichte des Christentums eine ganze andere Richtung eingeschlagen hätte. Mit seinem Gebetsaufruf für die „Wertschätzung des Beitrages der Frauen in der Evangelisierung“, setzt Papst Franziskus diesen Kurs fort. 

Weltweit sind Frauen heute noch in der Evangelisierung tätig: in der Familie als Mütter und Großmütter, im Erziehungswesen und in der Lehrtätigkeit, in der Gemeinde als Katechetinnen, in der Vorbereitung auf die Erstkommunion und Firmung, in der Spendung der Krankenkommunion und auf viele anderen Weisen.

Lasst uns den Weg, den diese drei Päpste eingeschlagen haben, mutig weitergehen und in diesem Sinne Gott bitten: Stärke alle Frauen in ihrem Engagement für die Verbreitung der Frohbotschaft. Möge ihre Mitwirkung weltweit weiterhin in angemessener Weise anerkannt werden.


 
 

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