Australien

„Eine Wunde einer Nation zu heilen dauert Jahrhunderte.“

17.09.2018

Vier Jahre lang hat sich Pater Jan Szweda SVD für die Rechte der Aborigines in Australien eingesetzt. Ein Rückblick…

Pater Jan Szweda SVD. (Foto: SVD)
Pater Jan Szweda SVD. (Foto: SVD)

Von Generation zu Generation ist er da, der Schmerz, und er hört nicht auf. „Man sieht es in ihren Augen“, weiß Pater Jan Szweda SVD. Er muss Tränen zurückhalten, wenn er von den Ureinwohnern Zentralaustraliens, den Aborigines, erzählt. Vier Jahre lang hat er mit ihnen gelebt und gearbeitet. Er versuchte so viel wie möglich von ihrer Kultur, ihrer Sprache, ihrer Geschichte zu lernen. „Für mich war es eine große Gnade, Zeit mit ihnen verbringen zu dürfen.“ Von 2011 bis 2014 leitete der Steyler Missionar die katholische Gemeinde in Alice Springs, im Herzen Australiens. Fast täglich besuchte er die verschiedenen Aborigine-Dörfer mitten im Outback. „Am Anfang war es nicht leicht. Sie fürchteten sich vor mir“, erzählt er. „Für sie war ich ‚der fremde weiße Mann, dem man nicht trauen kann‘.“

Für ihre Rechte zu kämpfen ist ihm ein Herzensanliegen geworden. „Früher waren sie Jäger und Nomaden. Das Land war ihre Identität“, erklärt P. Szweda. „im 19. Jahrhundert hat man den Aborigines in Zentralaustralien ihr Land genommen. Sie wurden vertrieben und ausgebeutet. Man nahm ihnen ihre Kinder, viele von ihnen steckte man in katholische Schulen.“ An ihrer Geschichte hat der Missionar erleben können, was Mission gerade nicht ist. „Es ist kein Überstülpen und Aufzwingen von Religion, Kultur und Lebensweise. Mission ist Dialog.“ Nur im Dialog war es P. Szweda möglich, eine Vertrauensbasis zu schaffen. Er nahm die Position des Lernenden ein: „Wir stehen nicht über ihnen, sondern wir leben mit ihnen. Mit ihrer Weisheit und ihrer Spiritualität können sie uns großes Vorbild sein!“

Heute werden Aborigines durch die Regierung unterstützt – als Entschädigung für ihr Leid, das mit der Kolonisierung des 18. Jahrhunderts seinen Anfang nahm. Sie bekommen Geld und leben in Camps, die ihnen zur Verfügung gestellt werden. „Aber das hilft ihnen überhaupt nicht“, weiß Szweda. „Denn sie sind es gewohnt, als Nomaden zu leben und nicht an einem festen Ort. Und je mehr sie bekommen, umso abhängiger werden sie.“ Die Menschen sind ohne Hoffnung, haben oft Alkohol- und Drogenprobleme. Deshalb sorgen die Steyler Missionare dafür, dass sich die Ureinwohner selbst versorgen können. Sie ermöglichen ihnen Zugang zu Bildung, setzen sich dafür ein, dass sie Land bekommen und bilden sie medizinisch aus. „Noch wichtiger ist aber, ihren Schmerz zu lindern“, betont der Missionar. „Ihre nationale Seele ist tot. Man hat ihnen ihre Identität genommen. Deshalb geben wir ihnen das Gefühl, dass sie angenommen sind, dass sie wertgeschätzt werden, dass wir von ihnen lernen können. Der Dialog ist das A und O.“ Von Anfang an hat P. Szweda ihre Sprache gelernt, ihre Kultur, ihre Traditionen. Es ging ihm darum, ihnen ein Gefühl von Sicherheit zu geben. „Ich habe ihnen gezeigt, dass ich ihnen nicht nur Sachen gebe und sie dann wieder im Stich lasse. Sie konnten darauf vertrauen, dass ich bleibe, für sie da bin und sie unterstütze. Aber natürlich auch, dass ich sie anrege, ihr Leben und ihren Glauben einmal aus dem Licht des Evangeliums zu betrachten, um alles in allem langfristig ihre Lebensqualität zu verbessern.“

Nun steht der Missionar vor einer neuen Herausforderung: Er hat eine Gemeindeleitung in Melbourne übernommen, der zweitgrößten Stadt Australiens. Vom Outback in die Großstadt, von der Stille in den Lärm. „Es wird schwer“, ist P. Szweda überzeugt. „Denn wie erreicht man Menschen in der Stadt, die so viele andere Angebote haben? Wie erreicht man Menschen mit vielen unterschiedlichen Bedürfnissen? Wie erreicht man Menschen, die ein ganz anderes Verständnis von Leben und Glauben haben?“ Doch der gebürtige Pole ist zuversichtlich: „Irgendwie werden wir Wege finden, Kontakt mit ihnen herzustellen und einen Zugang zu ihrer Lebenswelt zu bekommen.“ Dabei helfen ihm seine missionarischen Erfahrungen mit den Aborigines. „Mission ist keine Einbahnstraße. Wir lernen voneinander, indem wir Brücken zueinander bauen. Und gemeinsam können wir dazu beitragen, dass diese Welt ein Stück gerechter wird – für uns alle.“

Melanie Pies-Kalkum
 

Melanie Pies-Kalkum

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