Die Anregung Online

Liebe Leserinnen und Leser,

Fitness-Center

So viele Menschen!
Was hat sich Gott dabei gedacht, als er sie schuf?

Hallo!
Gestern musste ich einen Neuankömmling in eine Abteilung begleiten, die neu für mich war: in das spirituelle Fitness-Studio. Wie müsst Ihr Euch so ein Studio vorstellen? Natürlich ohne Geräte, weil die Seele keine Geräte braucht und durch ein geistiges Training fit gemacht wird. Fast alle Neuankömmlinge müssen dorthin, weil sie fast immer eine müde und schlaffe Seele mitbringen.

Alle müssen, bevor sie entlassen werden, für die Ekstase vorbereitet werden. Sie müssen zu Gefühlsregungen fähig sein, die man auf Erden nicht kennt. Vor allem müssen sie jubeln und außer sich geraten können – was man nicht mit ausrasten verwechseln sollte! Diese Übung bereitet vor allem Arthur Schopenhauer die größte Mühe, der sich – nach Eurer Zeitrechnung – seit 1860 hier befindet. Er kann sich noch immer nicht das Schielen abgewöhnen. Er beteuert unentwegt, er werde niemals die Idee aufgeben, dass der Welt ein unvernünftiges Prinzip zugrunde liegt, und dass sie die schlechteste aller Welten ist. Der Pessimismus gehöre nun einmal untrennbar zu seinem Lebenswerk. Es fällt ihm auch schwer zu glauben, dass es die beste aller Welten wirklich gibt, nämlich den Himmel. Da er sehr geschickt zu argumentieren versteht, lassen sich die Engel nicht in eine Diskussion mit ihm ein, sondern erklären ihm kurz und bündig, dass kein übel gelaunter Miesmacher in den Himmel aufgenommen wird. Man werde niemals zulassen, dass jemand die Seligkeit der Seligen stört.

Zu meiner Überraschung traf ich dort meine Sozialkunde-Lehrerin, die dabei war, das Lachen einzuüben und sich Frohsinn anzueignen. Ich war versucht, ihr zu sagen, wie angebracht ich es halte, dass man ihr gerade diese Übung auferlegt. Aber weil man seine Bußzeit nur verlängert, wenn man etwas Unfreundliches äußert, behielt ich meine Gedanken für mich und freute mich, dass sie jetzt für ihre Humorlosigkeit und die Langeweile, die sie verbreitete, büßt. Bis so eine Stunde vorüberging, das war wie ein Jahrhundert. – Was ich ihr am meisten ankreide ist, dass Sie uns für Prüfungen, aber nicht fürs Leben vorbereitete. Jetzt wurde klar, dass sie dazu nicht fähig war, weil sie von Lebenskunst so wenig verstand wie wir und auch nicht klüger war. Am liebsten hätte ich ihr gesagt: „Ich habe eigentlich mein Fegefeuer schon in Ihren Unterrichtsstunden abgebüßt.“

Eben erhielt ich die Nachricht, auf die ich schon lange warte. Mein Schutzengel teilte mir mit, dass die Zeit meiner Läuterung zu Ende ist. Ich hätte meine Schwächen abgestreift, und es sei deutlich zu erkennen, dass ich ein Anderer geworden bin. Daraufhin tat ich einen solchen Freudensprung, dass ich wohl auf einer weit entfernten Milchstraße gelandet wäre, wenn mich mein Engel nicht festgehalten hätte. Als ich ihn bat, mir zu sagen, ob ich im Himmel meinen Beruf ausüben darf oder mich ganz auf das Nichtstun einstellen muss, und ob man mir im Himmel einen Platz zuteilt, von dem aus ich das Geschehen gut beobachten kann, lächelte er und sagte: „Bist Du so naiv zu glauben, dass ein Mensch für die Gestaltung der neuen Welt auch nur irgendetwas beitragen kann? Du scheinst zu glauben, dass es im Himmel vordere oder hintere Plätze, Logensitze und eine Bühne gibt, und die Seligkeit des Himmels darin besteht, dass die Engel mit den Seligen Kirchenlieder singen oder sie mit erbaulichen Bühnenstücken unterhalten.“

In der folgenden Nacht tat ich kein Auge zu. Die Frage nach dem Himmel ging mir ständig durch den Kopf. Als ich dann am Morgen den Engel inständig bat, mir den Himmel zu beschreiben, gab er mir zur Antwort: Er müsse mich enttäuschen. Er könne mir nur sagen, was er nicht ist: kein Lustgarten, auch nicht das Paradies, aus dem der Mensch vertrieben wurde, und überhaupt kein Ort, sondern ein Glücks-Zustand, den man nur haben kann, wenn man bei Gott ist.

In: Walter Rupp SJ, Mails aus dem Jenseits, Vindobona Verlag 2012, 76f

Walter Rupp SJ


Liebe Freund

e„… wenn man bei Gott ist.“

Kann uns dieser Gedanke nicht durch das eben begonnene Jahr begleiten? Die Evangelien des Markus und Johannes wollen uns dabei begleiten; Hoffnung und Zuversicht in dieser nicht einfachen Zeit.

Ihnen wünsche ich Kreativität und Ideenreichtum, die Botschaft besonders dort hinzutragen, wo Menschen ein leuchtendes Licht brauchen.

Freude und Gesundheit!

Ihr


Karl Jansen SVD

 
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