Die Anregung Online

Liebe Freunde, 

„Wer singt, betet doppelt!“ hat schon der Heilige Augustinus festgestellt – und wir werden das sicher auch bald wieder in unseren Kirchen so praktizieren können. Aber beten kann man ja schließlich überall, und auch doppelt beten. Aus gegebenem Anlass möchte ich Ihnen und Euch heute einen speziellen Gebetsvorschlag machen. Gefunden habe ich ihn im Evangelischen Gesangbuch unter der Nr. 503:

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

2. Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide, als Salomonis Seide.

3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fliegt aus seiner Kluft und macht sich in die Wälder; die hochbegabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal und Felder, Berg, Hügel, Tal und Felder.

4. Die Glucke führt ihr Völklein aus, der Storch baut und bewohnt sein Haus, das Schwälblein speist die Jungen, der schnelle Hirsch, das leichte Reh ist froh und kommt aus seiner Höh ins tiefe Gras gesprungen, ins tiefe Gras gesprungen.

5. Die Bächlein rauschen in dem Sand und malen sich an ihrem Rand mit schattenreichen Myrten; die Wiesen liegen hart dabei und klingen ganz vom Lustgeschrei der Schaf und ihrer Hirten, der Schaf und ihrer Hirten.

6. Die unverdrossne Bienenschar fliegt hin und her, sucht hier und da ihr edle Honigspeise; des süßen Weinstocks starker Saft bringt täglich neue Stärk und Kraft in seinem schwachen Reise, in seinem schwachen Reise.

7. Der Weizen wächset mit Gewalt; darüber jauchzet jung und alt und rühmt die große Güte des, der so überfließend labt und mit so manchem Gut begabt das menschliche Gemüte, das menschliche Gemüte.

8. Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen.

9. Ach, denk ich, bist du hier so schön und lässt du's uns so lieblich gehn auf dieser armen Erden: was will doch wohl nach dieser Welt dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden, und güldnen Schlosse werden!

10. Welch hohe Lust, welch heller Schein wird wohl in Christi Garten sein! Wie muss es da wohl klingen, da so viel tausend Seraphim mit unverdrossnem Mund und Stimm ihr Halleluja singen, ihr Halleluja singen.

11. O wär ich da! O stünd ich schon, ach süßer Gott, vor deinem Thron und trüge meine Palmen: so wollt ich nach der Engel Weis erhöhen deines Namens Preis mit tausend schönen Psalmen, mit tausend schönen Psalmen.

12. Doch gleichwohl will ich, weil ich noch hier trage dieses Leibes Joch, auch nicht gar stille schweigen; mein Herze soll sich fort und fort an diesem und an allem Ort zu deinem Lobe neigen, zu deinem Lobe neigen.

13. Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, dass ich dir stetig blühe; gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe, viel Glaubensfrüchte ziehe.

14. Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben, und Pflanze möge bleiben.

15. Erwähle mich zum Paradeis und lass mich bis zur letzten Reis an Leib und Seele grünen, so will ich dir und deiner Ehr allein und sonsten keinem mehr hier und dort ewig dienen, hier und dort ewig dienen.


Der Text stammt von Paul Gerhardt, evangelisch-lutherischer Theologe und einer der bekanntesten Kirchenlieddichter im deutschen Sprachraum. […]

Warum ich ausgerechnet heute Ihnen/Euch dieses Gebet ans Herz legen möchte? Nun, dazu haben mich mehrere Gedanken veranlasst. Zum einen dachte ich mir, tut es gut, bewusst die Schöpfung, die uns so viel zu bieten hat, wahrzunehmen und daraus auch Freude zu schöpfen. Und dann dachte ich mir, dieser Text von Paul Gerhardt, […,] kann da eine gute Inspiration sein, selbst schon Freude machen. Aber es gibt noch einen anderen Grund: Am 5. Juni ist der Weltumwelttag. Er wurde 1972 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen ausgerufen und seither beteiligen sich rund 150 Staaten weltweit an diesem Aktionstag, seit 1976 auch Deutschland, mit Aktionen, die gegen Naturzerstörung und zur Schärfung des Umweltbewusstseins organisiert werden.

Das geht auch uns was an, jede einzelne Christin, jeden einzelnen Christen und uns als Kirche, denn die Schöpfung ist uns anvertraut, wir haben die Verantwortung dafür, wie Papst Franziskus in seiner am 24. Mai 2015 veröffentlichten Enzyklika „Laudato si – über die Sorge für das gemeinsame Haus“ unterstrichen hat. Und auch die Deutsche Bischofskonferenz hat in ihrer Erklärung „Handeln für die Zukunft der Schöpfung“ 1998 festgestellt: „Die ökologische Krise und die gesellschaftliche Suche nach einer Neuorientierung im Umgang mit der Schöpfung sind prägende Zeichen unserer Zeit. Nach diesen zu forschen und sie im Lichte des Evangeliums zu deuten, gehört ganz wesentlich zur Sendung der Kirche. Das Handeln für eine ökologisch tragfähige Zukunft, das auch den künftigen Generationen menschenwürdige Lebensbedingungen zu sichern sucht, ist für die Kirche daher kein Randthema, sondern im Sinne einer umfassenden ökologisch orientierten Pastoral ein integraler Bestandteil ihrer Heilssendung. Es geht um existentielle Fragen für den Menschen und damit auch für die Kirche.“

[…] Ich wünsche Ihnen und Euch, dass Sie/Ihr Freude finden/findet, Hoffnung schöpfen/schöpft und aufleben/auflebt in der Schöpfung – und ich wünsche uns Ideen und Mut, zu tun, was wir können, damit auch die nächsten Generationen noch Freude finden, Hoffnung schöpfen, leben können.

Herzliche Grüße

Ihre/Eure Pastoralreferentin Maria Gleiß

Dem kann man sich nur anschließen!

Ihr

 
Karl Jansen SVD

 
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