Chile
15. Jan 2026
Die Arbeit der Steyler Missionare in ihrer Stiftung „Hogares de Menores“.
„Viele Kinder in Chile haben keine echte Chance“, sagt Pater James Owusu Amankwah SVD. „Nicht, weil es ihnen an Willen fehlt – sondern weil sie in Armut geboren werden.“ Die Steyler Missionare setzen sich für diese Kinder ein.
Bei seinem Besuch in der Steyler Mission in Sankt Augustin sprach der Steyler Missionar aus Ghana über eine Gesellschaft mit extremen Gegensätzen: Während wenige sehr reich sind, kämpfen viele Familien täglich ums Überleben. Mit umgerechnet rund 600 US-Dollar im Monat müssen Eltern oft vier Kinder versorgen. Für Bildung, gesunde Ernährung oder medizinische Hilfe reicht das kaum. Besonders die Jüngsten zahlen den Preis.
Kinder aus zerrütteten Familien trifft diese Ungleichheit besonders hart. Wenn Eltern überfordert sind, keine Wohnung haben oder von Sucht und Gewalt geprägt sind, geraten Kinder schnell aus dem Blick. In Chile greift der Staat früh ein: Schon Neugeborene werden mit Einverständnis der Mutter aus Familien herausgenommen, wenn ihr Wohl gefährdet ist. Für diese Kinder braucht es Orte, an denen sie nicht nur untergebracht, sondern wirklich aufgefangen werden.

Genau hier beginnt die Arbeit der Steyler Missionare
Seit rund 60 Jahren betreibt die Steyler Stiftung Fundación Hogares de Menores del Verbo Divino im Süden Chiles Kinder- und Jugendwohngruppen. In fünf Einrichtungen werden Säuglinge, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betreut – viele von ihnen von den ersten Lebenstagen an. Die Heime liegen bis zu 700 Kilometer südlich von Santiago, in einer kalten, strukturschwachen Region, in der es kaum Alternativen für Familien in Not gibt.
Die Kinder kommen ausschließlich auf richterliche Anordnung in die Obhut der Stiftung. Ihre Geschichten ähneln sich oft: Väter sind nicht präsent oder im Gefängnis, Mütter kämpfen mit Armut, Obdachlosigkeit oder Abhängigkeiten. Für viele Kinder ist das Heim zunächst ein Fremdort – wird aber bald zu dem einzigen Platz, an dem sie Sicherheit, verlässliche Beziehungen und Fürsorge erfahren.

Zusammen mit ihrem Team fördern die Steyler Missionare Sprache und Motorik, helfen beim Lernen, versorgen die Kinder bei Krankheiten und geben ihnen Halt in Krisen. Gleichzeitig arbeiten die Mitarbeitenden intensiv mit den Herkunftsfamilien: Ziel ist es immer, Familien zu stärken und – wenn möglich – wieder zusammenzuführen.
Doch diese Arbeit ist anspruchsvoll und fragil. Der chilenische Staat übernimmt etwa 60 Prozent der Kosten. Die restlichen 40 Prozent müssen durch Spenden finanziert werden. Gleichzeitig sind die gesetzlichen Auflagen hoch: Mitarbeitende müssen sich zweimal jährlich zertifizieren lassen für die Arbeit mit Minderjährigen, die Bezahlung ist staatlich begrenzt. Immer wieder verlassen qualifizierte Fachkräfte die Einrichtungen – obwohl sie für die Kinder längst zu wichtigen Bezugspersonen geworden sind. Für die Kinder bedeutet jeder Abschied einen erneuten Verlust – umso wichtiger sind Menschen, die bleiben und ihnen zeigen: Du bist nicht allein.