Indonesien
04. Mai 2026
Am 27. April 2026 verstarb Bruder Beatus (Josef) Schöndorf SVD auf der Insel Timor.

„Einander helfen – für einander einstehen“
Im Januar 1932 kam Josef Schöndorf in dem kleinen Dorf Utweiler (heute Gersweiler) im südlichsten Zipfel des Saarlandes, mit Blick auf Frankreich, auf die Welt. Seine Eltern Johann Schöndorf und Josefine Weber schenkten sechs Kindern das Leben. Zwei seiner Schwestern traten in einen Orden ein.
Heimat und Ausbildung
Im heimatlichen Dorf Utweiler von etwa 65 Einwohnern in 20 Häusern gab es alles Lebensnotwendige: ein paar Brunnen, eine kleine katholische Kirche, eine Volksschule, eine freiwillige Feuerwehr, eine selbständige Verwaltung, eine Molkerei, ein Lebensmittelgeschäft und viele Felder und Wiesen. Im zweiten Weltkrieg war das Dorf Kriegsschauplatz: 1939 wurden seine Bewohner Richtung Deutschland evakuiert, 1944 nach Frankreich als die 12. amerikanische Division dort den ersten Ort in Deutschland einnahm.
Josefs Volksschulzeit fiel in den 2. Weltkrieg. Danach half er auf dem elterlichen Hof. Mit 17 Jahren konnte er eine Maurerlehre bei Kaspar Schiber in Reisweiler beginnen. Bis August 1956 arbeitete er dort als Geselle. Er bildete sich weiter im Tiefbau, Brückenbau, Betonarbeiten, als Gipser und Stuckateur sowie als Plattenleger. All das war notwendig, um in diesen Nachkriegsjahren die zerstörten Dörfer wieder aufzubauen. Nachbarschaftshilfe hieß das Gebot der Stunde. Josef war überall dabei. 1956/58 arbeitete er bei der Firma Bosslet in Biesingen bis zu seinem Eintritt in St. Wendel (20.03.1958).
Bei den Steylern
Josef wollte Steyler Missionar werden. Nach ein paar Monaten Postulat beginnt im September das Noviziat; 1960 macht er die ersten Gelübde. Der qualifizierte Handwerker ist ein gern gesehener Mitbruder. Gerade wird der Museumsbau mit Wohnungen erstellt; soweit es geht in eigener Regie! Verständlich, dass die Vorbereitung im Baubüro Nemi und die Missionsbestimmung hinausgeschoben werden. Es gilt dieses und jenes noch fertigzumachen…Auch die Zusatzausbildung in der sog. Schalenkonstruktion wird auf 2 Monate reduziert.
Am 11.7. 1964 wartet in Genua die Victoria auf ihn, Br. Othmar Jessberger und Helmut Thometzki um sie nach Jakarta zu bringen. Gleich ging er ans Werk. 1966 legte er seine ewigen Gelübde ab.
Bauen, bauen, bauen
Der fleißige Baufachmann war sehr willkommen auf Timor. Überall gab es viel zu bauen und zu reparieren. Br. Beatus lernte Land und Leute kennen in diesem Riesenlande. Allein auf Timor siedeln 4,1 Mill Menschen in kleinen abgelegenen Dörfern im westl. Teil der Insel Timor. 2002 wurde der Osten selbständig.
Westtimor ist die ärmste Region Indonesiens: 86% liegen unter der Armutsgrenze. Sie können nur überleben, wenn sie ihre Nahrungsmittel selber anbauen. Die Insel ist trocken und wenig fruchtbar.
Dem Leben dienen
In den frühen siebziger Jahren beginnt Br. Beatus umzudenken: Er stellt seine einzigartigen Fähigkeiten im Kochen, Nähen, in der Rinderzucht und im Gemüseanbau in den Dienst der Menschen. Sein Unterricht in den Grundfertigkeiten der Selbstversorgung hilft vielen Menschen in Ost-Nusa-Tenggara, einen besseren Lebensunterhalt zu verdienen.
Er sah, wie viele Hausfrauen von ihren Männern nicht geachtet wurden. „Zur damaligen Zeit waren die meisten Hausfrauen ‚Schulabbrecherinnen‘. Sie hatten keine abgeschlossene Schulbildung, ohne jede praktische Ausbildung. Mit lokalen Führerpersönlichkeiten besuchte er die Dörfer und verschaffte sich einen Überblick und bot seine Dienste an. Seine „Studenten“ waren in Halilulik, Belu-Distrikt und in Oenopu, im nördlichen Zentral-Timor, untergebracht.
Etwa 4.000 Jugendliche haben inzwischen von diesem Programm profitiert. „Es half ihnen, ihre Würde wiederzuerlangen und Selbstversorger zu werden.“
Die Gebühr für einen dreijährigen Kurs mit Br. Schöndorf und seinem Team von 22 Ausbildern ist 25 kg Mais und 20 kg Reis. Die Ausbildung von jungen Männern in handwerklichen Fertigkeiten wurde in neuerer Zeit hinzugenommen, wobei Hausbau und Zimmermannsarbeit einen Schwerpunkt bildeten.
Etwas fordern
Seine Werkstatt liefert nur das Mittagessen. Morgens und abends versorgen sich die Schüler selbst. Aus ihrer Ausbildung bringen die Mädchen nach drei Jahren einen Schrank, Nähzeug, ein Bügeleisen und einen Backofen mit zurück ins Dorfleben. So können sie sich von Anfang an ihren Lebens-unterhalt selbst verdienen und ihre Familie unterstützen.
Die Jungen bekommen Säge, Hammer, Hobel und Zwingen mit nach Hause. So überwindet Beatus Schöndorf die Anziehungskraft und den Sog der Stadt, denen die Jugend oft unterliegt. Aus gescheiterten Schülern werden selbstbewusste Frauen und Männer, die einen Beruf haben, ihr Handwerk beherrschen und ihr Leben selber in die Hand nehmen können.
Auch in den Gremien der Provinz vertritt Br. Beatus seine gesunden Prinzipien und weiß zu fordern und zu fördern. Das hat er von Jugend an gelernt und praktiziert: „Ohne Fleiß kein Preis!“ Als im Jahre 2004 P. Generalsuperior Pernia sein Projekt und Ausbildungszentrum besucht, sieht Br. Beatus darin eine Anerkennung von höchster Stelle. Er sieht darin die ehrliche Anerkennung seiner missionarischen Leistung.
2012 muss Br. Beatus einen langen Urlaub in der Heimat nehmen. Die harte Arbeit hat Spuren hinterlassen. Die Last der Jahre macht sich bemerkbar. Er legt sein Werk in jüngere Hände: Die SVD-Provinz übernimmt die Jungen, die Steyler Schwestern übernehmen die Mädchen. Das Werk geht weiter und trägt Früchte. Ein Weg ist gewiesen.
Nach der Rückkehr von seinem letzten Besuch in Deutschland bleibt Br. Beatus an seiner alten Stelle in Labur, wo er Jahrzehnte zuvor eine Haushaltsschule für Mädchen und eine Lehrwerkstatt für Jungen begonnen hat. Dort machte er sich weiterhin nützlich. Wenn er auch im Alter viele Arbeiten nicht mehr ausführen konnte, saß er daneben und gab Anweisungen. Jeden Morgen fuhr er noch selbst zur hl. Messe und am Nachmittag zum Beten in die Kapelle von Labur. Von einem Altenheim brauchte man Br. Beatus nicht zu reden, das war für ihn ein rotes Tuch. In Labur war er auch besser aufgehoben als in einem Altenheim. Die Mädchen des Kurses waren immer sehr besorgt um ihren Bruder.
Würde durch Fähigkeiten aufbauen
Für Gemeinschaften in Halilulik, Oenopu bis Uarau ist Bruder Beatus gleichbedeutend mit „Empowerment“ (d. h., eigene Fähigkeiten entwickeln und zum Wohl anderer einsetzen). Er glaubte, dass Armut nur durch Wissen und harte Arbeit beseitigt werden kann. Durch die Ausbildungsinstitute, die er in Lebur und Oenopu gründete, nahm er diejenigen auf, die oft vergessen wurden – Schulabbrecher und Frauen.
In seinen Händen wird die Nähnadel zu einem Werkzeug des Kampfes, und die Geschicklichkeit der Hand wird zur Brücke zur Unabhängigkeit. Es lehrt nicht nur, wie man arbeitet; Es vermittelt den Wert von Geduld und Würde. „Arbeit ist Gebet“, vielleicht ist das die Botschaft, die von jedem Schweiß ausgeht, der in den bescheidenen Werkstätten und Klassenzimmern vergossen wird.
Mehr als sechs Jahrzehnte Dienst sind keine kurze Zeit. Bruder Beatus hat den Wandel der Zeiten in Timor miterlebt, von schwierigen Zeiten bis hin zu aktuellen Entwicklungen. Eine Sache hat sich jedoch nie geändert: seine echte Liebe zu den Einheimischen...
Sein Weggang hinterlässt eine tiefe Trauer, doch sein Vermächtnis ist ewig. Tausende Frauen und junge Männer, die dank ihrer Ausbildung nun unabhängig geworden sind, sind stille Zeugen des Einflusses einer Person, die ihr Leben anderen widmet.
„Leb wohl, Bruder Beatus Schöndorf, SVD. Danke, dass du Timor mehr liebst als deine eigene Heimat. Du hast Samen des Guten gepflanzt, die jetzt zu schattigen Bäumen heranwachsen. Ruhe nun in ewiger Ruhe in den Armen des Vaters im Himmel.
Leb wohl, Missionare der Liebe.“
Pater Martin Üffing SVD
Superior Delegatus
Steyler Mission
Arnold-Janssen-Str. 32
53757 Sankt Augustin