Hermann Bickel SVD (1938–2020)

17.08.2020

Sankt Wendel / Heute mittag verstarb nach langem und mit großer Geduld ertragenem Leiden Pater Hermann Bickel SVD im Wendelinusheim. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 20.08.2020, um 10.00 Uhr auf dem Friedhof des Missionshauses in St. Wendel statt.

 Pater Hermann Bickel SVD

*27.04.1938 – 17.08.2020


Pater Hermann-Bernhard Bickel, der „Zauberpater“, ist tot. Er verstarb gestern während des „Angelusläuten“ ganz friedlich nach einer mit großer Geduld ertragenen Krankheit.


Kindheit und Schule

Hermann wurde am 27. April 1938 in Rheine/Mesum als Sohn des Schuhmachermeisters Josef Bickel und seiner Frau Anna, geb. Grüßing, geboren. Von 1945 bis 1949 besuchte er die Volksschule in Rheine. Ab 1949 war er Schüler an der Missionsschule St. Arnold und danach bis zum Abitur in Bad Driburg, St. Xavier. Im März 1957 legte er dort das Abitur ab und wechselte ohne Unterbrechung in das Noviziat der Steyler Missionare in das Missionspriesterseminar Sankt Augustin, wo er am 01.05.1957 eingekleidet wurde.

Nach dem Noviziat durfte er am 01.05.1959 die Erste Profess ablegen. Nach Beendigung des zweijährigen Philosophiestudiums, das bereits während des Noviziates begonnen hatte, schickte man ihn für ein pädagogisch-didaktisches Praktikum an die ordenseigenen Schulen und Internate der Missionshäuser St. Wendel (1960-61) und St. Paul Wengerohr (Ostern 1961 bis Herbst 1961). Zum Theologiestudium schickte man ihn an die Gregoriana nach Rom. Doch nach einer kurzen Zeit musste er wegen Krankheit nach Deutschland zurückkehren. In Sankt Augustin kurierte er sich mit einer von Prof. Dr. Kuhl verordneten Kur mit verschimmeltem Brot, bzw. Vollkornschrotschimmel auf Milchsäurebasis, was ihm später den Spitznamen „Schimmel“ einbrachte, unter dem er überall bekannt wurde.


Zauberlehrling

Schon während seiner Zeit als Praktikant in St. Wendel schenkte ihm ein Schüler ein „Buch zur Zauberanleitung“. Nach und nach verliebte er sich in dieses Hobby, das ihn später noch bekannter machen sollte. Auch wurde er damals Mitglied des „Magischen Zirkels von Deutschland“.

Im Herbst 1962 nahm er das Theologiestudium in Sankt Augustin wieder auf. Am 01. Mai 1965 legte er in Sankt Augustin die Ewigen Gelübde ab und wurde am 18.12.1965 in Sankt Augustin zum Priester geweiht. Seine Missionsbestimmung erhielt er für die Norddeutsche Provinz.

Von 1966 bis 1968 wirkte er als Lehrer und Erzieher in St. Arnold, bis er 1968 nach Köln zum Studium der Pädagogik und Religion geschickt wurde. Von 1970 bis 1975 studierte er in Münster Pädagogik und Religion und schloss mit dem Lizenziat in Theologie ab.


Lehrer

Von 1971 bis 1973 übertrugen ihm die Ordensoberen als Präses die Leitung des Studentenheimes der SVD, des „Arnold-Janssen-Kollegs“, in Münster. Nach Beendigung aller seiner Studien und Aufgaben in Münster wurde er 1975 zum Präfekten der Theologiestudenten im Missionspriesterseminar in Sankt Augustin ernannt. Er selbst schreibt darüber: „Die Situation in Sankt Augustin war damals so komplex, dass es mir wieder einen gesundheitlichen Knacks gab und ich nach zwei Jahren dem Provinzrat die Bitte um Entbindung vortrug.“

Nun wechselte Pater Bickel an das Arnold-Janssen-Gymnasium in St. Arnold, wo er ab Herbst 1977 als Lehrer in den Fächern Kath. Religion und Erziehungswissenschaft lehrte. Diese Aufgabe hatte er bis zum Eintritt in die Pension im Jahre 2002 inne.


Der Missio-Narr

Als „Pensionär“ konnte er sich ganz seinem Hobby, der „Zauberei“, widmen. Doch dies tat er nicht nur für sich selbst, sondern für ihn wurde es zu einer Mission. Er machte unzählige Menschen durch seine vielen Auftritte, u. a. auch im Deutschen Fernsehen, mit dem Missionswerk der Steyler Missionare bekannt und sammelte viele Spenden zur Unterstützung etlicher Missionsprojekte in der ganzen Welt. Unter anderem half er Pater Heinz Kulüke, dem ehemaligen Generalsuperior der Steyler Missionare, bei seiner Arbeit mit den Müllmenschen in Cebu-City auf den Philippinen.

Nach der Auflösung des Missionshauses St. Arnold übersiedelte P. Bickel 2008 nach Sankt Augustin. Dort richtete er sich in einem ehemaligen Gebäude der Missionsprokur mit seinen Zauberutensilien ein und nannte das Häuschen „Abraxas“. Er übernahm neben seiner Tätigkeit als „Zauberer und Missio-Narr“ auch unzählige Aushilfen in der Umgebung.

Nachdem sich 2016 gesundheitliche Probleme bemerkbar machten, besonders eine Arthrose, entschloss sich Pater Bickel, nach St. Wendel in das Wendelinusheim umzuziehen. Zunächst konnte er auch hier noch Aushilfen und Auftritte übernehmen, jedoch in der letzten Zeit musste er sich selbst Rechenschaft darüber ablegen, dass sein Körper nicht mehr so wollte wie sein Geist. Hinzu kam schließlich eine bösartige Erkrankung der Prostata, die zwei Operationen zur Folge hatte. Dieses Krebsleiden führte in den letzten fünf Monaten zu einer massiven Reduzierung seines Allgemeinzustandes. Am Ende war er völlig bettlägerig und auf die Hilfe und Pflege unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Wendelinusheim angewiesen. Bis zuletzt behielt er aber seinen klaren Verstand.


Maranatha!

Er selbst schrieb noch Folgendes: „Nun betet für mich, dass ich erfahren darf, was Gottes Güte uns verheißt: Leben in bleibender und unendlicher Fülle Seiner Liebe. Ich bin neugierig, wie das denn bei Gott sein wird, in zeitloser Zukunft; und gewiss werde ich auch einige Theodizeefragen an Gott richten: „Meister, wo wohnst du?“ – „Komm und sieh!“ – „Wie freute ich mich, als man mir sagte, wir ziehen zum Haus des Herrn.“ – „Maranatha!“

Gott möge mir gnädig sein in Seiner grenzenlosen Güte und euch allen einen herzlichen Abschiedsgruß für alle, die gegrüßt sein möchten, und wie ich so oft schrieb: Und mit zauberhaften Schimmelgrüßen, bis auf ein Wiedersehen mit Gott.


Von Herzen danken wir Gott, dass wir diesen Mitbruder haben durften, der mit seiner angenehmen fröhlichen Art für jede Kommunität eine Bereicherung war. Unzähligen jungen Menschen war er während ihrer Schulzeit, ein guter Begleiter, ein engagierter Lehrer und oft auch ein „väterlicher Freund“. Auch seinen Mitbrüdern, besonders auch den alten und kranken, war er gerne nahe und stand ihnen oft in schwierigen Situationen ihres Lebens zur Seite. Wir werden ihn sehr vermissen!


Wegen der aktuellen Coronakrise werden wir den Auferstehungsgottesdienst für Pater Hermann Bickel nur in der Kommunität des Missionshauses feiern.

An der Beerdigung, die am Donnerstag, 20.08.2020, um 10.00 Uhr auf dem Friedhof des Missionshauses stattfinden wird, kann man unter Wahrung der Vorsichtsmaßnahmen teilnehmen. Wir bitten allerdings um Anmeldung an der Pforte des Missionshauses unter der Telefonnummer: 06851 8050. Dort müssen die Daten erfasst werden.


St. Wendel, 18.08.2020


Stefan Theobald svd
Leiter des Wendelinusheimes


Zur Vita.

 
 

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