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Zukunftspläne statt Pensionsschock

18.09.2020

Vom Bayrischen Wald zog es ihn einst als Missionar in die weite Welt. Nach seinem Abschied aus der Pfarrseelsorge in Wien-Favoriten ist Pater Hans Ettl nach St. Gabriel zurückgekehrt.

Pater Hans Ettl SVd

Mit 75 Jahren, da fängt das Leben an, mit 75 ist noch lange nicht Schluss! So könnte das Motto des Steyler Missionars frei nach Udo Jürgens lauten. In einem Alter, in dem andere Menschen schon ein Jahrzehnt in Pension sind, blickt Pater Hans Ettl SVD neugierig und voller Tatendrang in die Zukunft. Ende August hat sich der Ordensmann aus der Pfarre Zum Göttlichen Wort verabschiedet und ist ins Missionshaus St. Gabriel zurückgekehrt.18 Jahre war Hans Ettl im 10. Wiener Gemeindebezirk als Seelsorger tätig gewesen. Zunächst als Pfarrmoderator in der Pfarre Zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit in der Alxingergasse, später als Pfarrvikar in der neu gebildeten Pfarre Zum Göttlichen Wort. Gerne schaut er auf diese Zeit zurück: „Ich hatte immer das Gefühl, angenommen und wertgeschätzt zu sein!“

Pater Hans Ettl SVD nimmt Abschied von der Gemeinde Zur Heiligen Familie
Pater Hans Ettl SVD nimmt Abschied von der Gemeinde Zur Heiligen Familie
Ein BIld der Kirche am Puchsbaumplatz ziert die Torte
Ein BIld der Kirche am Puchsbaumplatz ziert die Torte

„Nicht im Bayrischen Wald sitzen bleiben“
Dabei sah Hans Ettl anfangs seine Berufung als Missionar auf einem anderen Kontinent und nicht als Pfarrer in Europa. Als junger Bursch lernte der gebürtige Bayer die Steyler Missionare durch Vorträge und die Zeitschrift STADT GOTTES kennen. Er begann Philosophie und Theologie in München zu studieren, mit dem Ziel Priester zu werden. Bald war ihm aber klar: „Ich will nicht in einer Pfarre im Bayrischen Wald sitzen bleiben, sondern als Missionar in die ‚weite Welt’ gehen, wo sie mich vielleicht mehr brauchen.“ Um seinen Plan zu verwirklichen, beschloss er, sich einem Missionsorden anzuschließen und trat 1967 ins Noviziat der Steyler Missionare in St. Gabriel ein. „Ich war fasziniert vom offenen Geist und der Aufbruchsstimmung, die hier nach dem 2. Vatikanischen Konzil herrschten“, erinnert sich Pater Ettl. Nach der Priesterweihe reist er 1974 mit einem Passagierschiff nach Argentinien. Die Ordensoberen hatten seinen Wunsch nach einer Missionsbestimmung in einem lateinamerikanischen Land entsprochen. In der Region „Misiones“ im Nordosten Argentiniens betreuten die Steyler Missionare Pfarren und Schulen. Im 19. Jahrhundert hatten sie im „Land der roten Erde“, in dem einst die Jesuiten ihre Reduktionen errichteten, wieder mit der Missionsarbeit begonnen.
Hans Ettl war zunächst als Kaplan in den kleinen Land-Gemeinden tätig. „Wir kamen einmal im Monat in die Gemeinden, um Messe zu feiern und die Katecheten und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Glaubensweitergabe zu unterstützen“, erzählt der Steyler Missionar. Neben Einwanderern aus Europa und Japan lebten in Misiones auch Kreolen und kleine Gruppen von Guaraní-Indios. Bald war Pater Ettl auch für die Berufungspastoral zuständig und begleitete junge Männer, die Interesse am Ordensleben hatten.

Pater Hans Ettl (rechts im Bild) während seines Missionseinsatzes in Misiones (Argentinien)
Pater Hans Ettl (rechts im Bild) während seines Missionseinsatzes in Misiones (Argentinien)
Nah bei den Menschen: Pater Hans Ettl war in Misiones als Kaplan, Pfarrer und in der Berufungspastoral tätig
Nah bei den Menschen: Pater Hans Ettl war in Misiones als Kaplan, Pfarrer und in der Berufungspastoral tätig

Als Missionar in Europa
1989 kehrte er auf Wunsch des Provinzials nach Österreich zurück. Seine Erfahrungen in der Mission konnte er nun in der Leitung des Noviziats und Postulats einbringen. Im Anschluss an diese Aufgaben übernahm er für sechs Jahre das Amt des Rektors im Missionshaus St. Gabriel. „Ich dachte immer, ich kehre wieder zurück nach Argentinien“, sagt Hans Ettl im Rückblick. Doch schließlich entschied er sich dafür, in Österreich zu arbeiten. Mit 56 Jahren wollte der Steyler Missionar allerdings unbedingt wieder „an die Front“ gehen und nicht im Missionshaus bleiben.
„Der Orden hat 1990 festgelegt, dass auch Europa Ziel unserer missionarischen Arbeit ist. Dass hat für mich eine neue Perspektive ergeben: Mir war klar, dass die Mitbrüder, die aus anderen Kontinenten nach Europa kommen, Begleitung und Unterstützung brauchen sowie Orte und kleine Gemeinschaften, an denen sie Pastoralpraxis sammeln können.“

Steyler Geist in Favoriten
Die Pfarre Zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit in der Alxingergasse, die Pater Ettl 2002 als Pfarrmoderator übernahm, sollte ein solcher Ort werden. Zusammen mit den Steyler Schwestern, die einen Kindergarten, und eine Schule führten und in der Pfarre tätig waren, drückten Pater Ettl und die jungen Mitbrüder aus den verschiedensten Ländern der Gemeinde einen „Steyler-Stempel“ auf. Weite Welt-Spiritualität, die Beschäftigung mit dem Wort Gottes in Bibelgruppen und der Dialog mit anderen Kulturen und Religionen waren spezielle Akzente. Bei „Kulturabenden“ kamen Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen.
Dieser spezielle Steyler Geist prägt auch die „Pfarre Zum Göttlichen Wort“, zu der die Pfarren Alxingergasse, Keplerplatz und Heilige Familie im Jahr 2015 auf Wunsch der Diözesanverwaltung zur ersten „Pfarre neu“ in der Erzdiözese Wien zusammengelegt worden waren.
Hans Ettl leitete den Prozess des „Zusammenführens und Zusammenwachsens“ und versuchte die Gemeindemitglieder positiv zu motivieren. Die Leitung der neuen Pfarre übernahm sein Mitbruder Matthias Felber. Pater Ettl war die letzten Jahre als Pfarrvikar tätig und wohnte in der Gemeinde Zur Heiligen Familie am Puchsbaumplatz. Die Pfarre sieht er auf einem „guten Weg“. „Die gemeinsamen Veranstaltungen und Aktivitäten werden immer mehr und die aktiven MitarbeiterInnen schließen neue Kontakte.“

Bei Festen sorgte Pater Ettl mit der Ziehharmonika oft für gute Stimmung
Bei Festen sorgte Pater Ettl mit der Ziehharmonika oft für gute Stimmung

Pläne für die Zukunft
Mit 75 Jahren deponierte Hans Ettl bei der Ordensleitung den Wunsch, die Pfarrarbeit zu beenden und wieder nach St. Gabriel zurückzukommen. „Ich wollte bei meiner Rückkehr noch aktiv und nicht schon pflegebedürftig sein.“ Für die Zukunft hat Pater Ettl bereits Pläne: „Ich habe zwei Hände, die eine würde ich gern im Sinn der Ordensgemeinschaft verwenden, zum Beispiel beim Aufbau eines Steyler Freundeskreises. Die andere Hand möchte ich im Sinn der Pastoral nach außen einsetzen. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, in einem Hospiz oder in der Krankenhausseelsorge mitzuarbeiten.“

Ursula Mauritz; Fotos: privat, Pfarre Zum Göttlichen Wort

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