Brasilien

Pater Josef Gross - Ein Diener Gottes und ein Diener der Menschen

04.05.2021

Pater Josef Gross wäre dieses Jahr im Allerheiligenmonat November 90 Jahre alt geworden. Nun hat er sein langes, eifriges Leben beendet. Er war ein Diener Gottes und ein Diener der Menschen. So bleibt er uns Steyler Missionaren, seiner Familie, seinen MitarbeiterInnen und Helfern in Brasilien in dankbarer Erinnerung.

Pater Josef Gross SVD
Pater Josef Gross SVD

Sein Oberer, Leonardo Gado, schreibt in seiner Würdigung: „Wir Steyler Missionare am Amazonas danken Gott, dass wir ihn unter uns haben durften. Wir sagen unseren Dank auch seiner großen Familie, und den vielen Menschen in Kirche und Welt, die ihn begleitet haben und an deren Seite er als Hirte, Lehrer und Priester ein Stück Weges gehen durfte. Pater Josef war ein eifriger Sammler von Heilpflanzen. Er war diszipliniert, ein eifriger Missionar, einfach und treu vor Gott und seinem Volk.“

 

Heimat und Jugend

Josef war der Sohn von Hugo Groß und Klara geb. Hipler. Er verlebt seine Kindheit und frühe Jugend mit 9 Schwestern in seiner ost-preußischen Heimat. Als 13-Jähriger musste Josef mit seiner Familie die Flucht aus Ostpreußen erleben. Die Evakuierung war von den Behörden zu spät eingeleitet worden, da die nationalsozialistische Führung immer noch einen deutschen Sieg propagierte.

Ostpreußen war von der Roten Armee überrollt. Von 2,6 Millionen Einwohnern flohen mehr als 1,4 Millionen Menschen im harten Winter, Januar 1945, und versuchten unter grausamen Bedingungen Ostpreußen Hals über Kopf zu verlassen. Es war ein extrem harter Winter mit Temperaturen bis minus 30 Grad Celsius, und immer wieder gerieten die Flüchtlinge zwischen die Fronten.

Als er Jahrzehnte später gefragt wurde, ob er im heißen Klima Brasiliens zurecht komme, sagte er: "Daheim in Ostpreußen habe ich in den kalten Wintern immer sehr gelitten. Da ist mir das warme Klima in Brasilien eigentlich sehr willkommen."

Seine Schwestern (drei von ihnen haben ihren Bruder überlebt) hielten immer zu ihrem Bruder und halfen mit, dass er studieren konnte. Auch in Brasilien begleiteten sie seine missionarische Arbeit, wo sie konnten.

Zu den Steyler Missionaren

Mit siebzehn Jahren ging er ins Spätberu-fenenseminar St. Josef, Geilenkirchen, um Mis-sionar zu werden. Nach Abschluss der Gymnasialstudien entschied er sich für das Noviziat in Sankt Augustin. Nach dem Studium der Philosophie meldete er sich für Brasilien. Im Seminar Santo Amaro in São Paulo studierte er Theologie und wurde am 15. August 1961 dort zum Priester geweiht.

Seine Missionsbestimmung war Brasilien. Hier hatte er sich von Anfang an gut eingelebt. Er hatte einen sehr positiven Zugang zu der Bevölkerung. Schon ganz zu Anfang war ihm klar : "Die Brasilianer sind sehr freundliche Leute, bei denen man immer nett aufgenommen wird und sich auf Anhieb wohl fühlt."

Pater Josef Gross mit seinen Gemeindemitgliedern
Pater Josef Gross mit seinen Gemeindemitgliedern

Lehrer und Seelsorger

Nach Einführung in die praktische Seelsorgearbeit in der Pfarrei Cristo Rei in Sao Paulo wurden Schulen und Seminarien sein Arbeitsfeld. Er liebte die Naturwissenschaften und spezialisierte sich auf Botanik und Heilkräuter.
Der eifrige Botaniker lehrte, forschte, legte mit seinem Studenten biologische Sammlungen an und begeisterte in seiner ruhigen Art viele seiner Schüler. Seine Wege führten ihn in die ordenseigenen Schulen: In Toledo ist er Präfekt (1963-1972), wird dazu noch Kaplan in der Pfarrei. In den Jahren danach ist er Präfekt und Lehrer in Penha-Corbélia, dann in Ponta Grossa.

Missionar am Amazonas

Als in den frühen achtziger Jahren seine Provinz Mitbrüder für das Amazonas-Gebiet sucht, ist P. Gross unter den vier ersten Freiwilligen. Hier ist er Missionar im eigenen Land. Die vier beginnen in der Diözese Obidós, einer jungen Diözese, zehnmal so groß wie das Bistum Münster!

Nachdem er in zwei Pfarreien je 10 Jahre lang Pfarrer ist, könnte er im Regionalhaus in Santarém seinen Lebensabend verbringen. Doch an Ruhe denkt er nicht. Er wird zum Fluss-Missionar. Mit seinem Boot besucht er die Urwald-dörfer. Er ist immer unterwegs.

Unter dem Titel „Wie zu Zeiten des Noe“ berichtet er: „Die Regenzeit war wieder so stark, dass eine Reihe von Besuchen auf der Várzea abgesagt werden mussten. Auf der letzten Reise zu einigen Stationen auf dem Festland habe ich auch noch eine Station auf der Várzea besucht, da die Kapelle und die Häuser sehr hoch gebaut sind. Die Kapelle steht auf 4 Meter hohen Pfählen.

Wir konnten mit dem Boot nicht an die Stufen zur Kapelle anlegen, da eine schwimmende Grasinsel den Zugang versperrte. In einem großen Bogen kamen wir schließlich von hinten an die Kapelle und konnten das Boot seitlich von der Kapelle festmachen. Aber um in die Kapelle zu kommen, mussten wir durch das Fenster der Kapelle steigen. Die Fahrt bis zur ersten Station auf dem Festland dauerte 5 Stunden. Es ging über Flüsse, Seen und überschwemmtes Land. Auf der ganzen Fahrt konnte man kein Fleckchen trockenes Land sehen. Jetzt hört die Regenzeit auf, und das Wasser wird auch wieder fallen.“

Mensch unter Menschen

Er lebt wie überall und immer sein bescheidenes Leben. „Ich habe da keine besonderen Wünsche. Wenn ich in den Außenstationen meiner Pfarrei gefragt werde, ob ich dieses oder jenes esse, antworte ich immer: Wenn ihr es mir gebt, dann ja.“ Inzwischen kann er auch auf das Boot verzichten: „Die Leute sind so freundlich, mich abzuholen und von Station zu Station zu bringen.“

Zu Weihnachten 2014 schreibt er nach Sankt Augustin: „Mir geht es weiter gut. Nur lassen die Kräfte nach. Das linke Bein zittert weiter. Vor allem bin ich schwächer und unsicherer auf den Beinen geworden. Wenn das nicht wieder etwas besser wird, dürfte es schwierig werden mit der Reise zum Heimaturlaub im kommenden Jahr. Werde noch bis Ostern mit einer Entscheidung warten. Ich habe ein paar Naturheilmittel gefunden. Vielleicht werden die helfen?“ 

Einfach, ruhig, geduldig

Das sind Tugenden, die ein Missionar braucht und immer wieder einüben muss. P. Groß hat es getan. Das half ihm auch in Gefahren. Ja, der Urwald kann gefährlich sein. Eines Tages verlor er dort die Orientierung. Ein Unwetter hat ihn überrascht. Er behielt die Nerven und wusste, wie er sich zu verhalten hatte. Alles ging gut! Natürlich hatten die Leute ihn gesucht, als er am Abend nicht zurück war. Die Freude war am nächsten Morgen umso grösser, als er unversehrt auf der Mission erschien.

Natürlich hat P. Groß viele Fruchtbäume auf der Mission gepflanzt – auch bisher unbekannte Arten. Ob die Früchte genießbar sind oder nicht, das ließ er sich von den Affen sagen. Er beobachtet sie genau, ob sie diese Früchte fressen. Tun sie es nicht, dann baut er sie nicht an.

Mit seinem ruhigen Charakter, genoss er die Gemeinschaft seiner Mitbrüder. Sie schätzten ihn!

Pater Josef Gross und seine Mitbrüder
Pater Josef Gross und seine Mitbrüder

Seine Botschaft

Was er in einfachen Worten als Missionar seinen Leuten sagen wollte, ist eine einfache Botschaft: „Als Missionar möchte ich den Leuten gerne die Botschaft Christi verkünden. Ich will selber in einfachen Verhältnissen leben. Das gehört dazu. Auch Jesus Christus hat nicht zu seinem eigenen Vorteil gelebt, sondern er ist bis zu seinem Tod am Kreuz für die Menschen da gewesen. Was sind alle Luxusgüter im Vergleich zur Dankbarkeit und Freundschaft, die mir die Menschen in meinen Außenstationen entgegenbringen?“ So war seine Botschaft. So war auch sein Leben: einfach, geduldig – mit Gott und mit den Menschen.

P. Groß verbrachte die letzte Woche seines irdischen Lebens im Hospital São Camilo bis Gott ihn in seinen ewigen Frieden heimholte. Die Beisetzung war am 1. Mai um 10 Uhr im Kreise seiner Mitbrüder.

Mit den Steylern in Brasilien danken wir Gott, dass er P. Josef Groß in unsere Gemeinschaft geführt hat. Wir danken auch seiner Familie, allen Menschen guten Willens, die ihn in seines Arbeit in Gebet und Wohlwollen unterstützt haben. Mit ihm zusammen waren wir alle Missionare in Brasilien.

Steyler Missionare
Sankt Augustin


 
Melanie Pies-Kalkum

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