Philippinen

Pater Leo Schmitt, der "Botschafter des Herzens", ist verstorben

26.08.2020

Häuser, Siedlungen, ganze Ortschaften baute der Steyler Missionar P. Leo Schmitt für die Armen auf den Philippinen, war immer für die ihm anvertrauten Menschen da. Am 25. August 2020 starb er im Alter von 92 Jahren im Steyler Seniorenhaus Villa Christo Rey im philippinischen Quezon City. „So ging ein viel bewunderter Missionar, der für sein großzügiges Herz bekannt ist, nach einem Leben voller Opfer und selbstloser Dienste schließlich zu seiner ewigen Belohnung nach Hause“, schreibt die Philippinische Zentralprovinz (PHC) in ihrem Nachruf.

Familie und Ausbildung
P. Leo Schmitt wurde am 9. Mai 1928 in Grünebach, in der nördli-chen Spitze von Rheinland-Pfalz geboren. Seine Eltern waren Josef und Anna Schmitt, geb. Euteneuer. Er hatte 8 Brüder und eine Schwester, die als Steyler Missionsschwester in Indonesien wirkte.
Von seiner Schulzeit verbrachte er die letzten beiden Jahre im Missionshaus St. Wendel, wo er 1948 sein Abitur bestand. In dieser Zeit reifte in ihm der Entschluss, Steyler Missionar zu werden und er begann am 8.09.1948 im Missionspriesterseminar Sankt Augustin seine Noviziatszeit, die er zwei Jahre später mit der Erstprofess abschloss. Es folgten die Studien der Philosophie und Theologie. Am 12.03.1954 band er sich mit den Ewigen Gelübden für immer an Gott und die Steyler Gemeinschaft und wurde am Augustinustag des gleichen Jahres mit 17 anderen Mitbrüdern zum Priester geweiht.

Über England zu den Philippinen
Seine Erstbestimmung erhielt er für Indonesien, doch verschlug es ihn zunächst nach England, wo er vier Jahre als Lehrer und Seelsorger wirkte. Dann bekam er eine neue missionarische Bestimmung, die seine Lebensbestimmung wurde: für die Philippinen, wo er 1959 ankam. Nach dem Sprachstudium war seine erste Station Binmaley, wo er als Lehrer und Erzieher im Diözesan-Seminar ‚Maria, Hilfe der Christen‘ tätig war. An den Wochenenden half er in der Pfarrpastoral. Zudem erwarb er sich eine notwendige pädagogische Lehrerlaubnis an der Päpstlichen und Königlichen Universität des heiligen Thomas von Aquin in Manila.
Die nächste Station war das Steyler Priesterseminar ‚Christ the King‘, wo P. Leo ebenfalls lehrte und Unterricht gab. Mit Hilfe aus der Heimat trug er dazu bei, die Infrastruktur des Seminars zu erweitern. Doch was ihm mehr und mehr zu Herzen ging, war das Schicksal der Armen in den Außenbezirken der großen Stadt Manila. Viele vor allem jungen Menschen verließen die Armut und Aussichtslosigkeit der ländlichen Gebiete, und strandeten in den Außenbezirken und Slums der Hauptstadt der Philippinen. Ihrer nahm sich P. Leo in beson-derer weise an.

„Botschafter des Herzens“
So nannte 1998 der damalige deutsche Botschafter in Manila P. Leo Schmitt anlässlich der Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz. Er zeichnete damit den Missionar für seinen unermüdlichen und selbstlosen Einsatz für die Wohnungslosen im Großraum Manila aus.
Alles begann im Jahre 1971. Damals sollten 800 Familien aus dem Stadtteil Mandaluyong in Manila vertrieben werden, weil ihnen das Land nicht gehörte, das sie bewohnten. Die Besitzer schalteten das Gericht ein. Mit einer drohenden Räumungsklage im Rücken wandten sich die Familien an Pater Schmitt. "Wir versuchten, mit einem Rechtsanwalt Zeit zu gewinnen, um neues Land zu suchen und die Umsiedlung in Ruhe anzugehen", erinnerte sich später P. Leo. Aber die Besitzer des Grundstückes blieben hart: Am Fronleichnamstag sollte die Räumung vollzogen werden. Pater Schmitt rief befreundete Ordensfrauen in einer Predigt zur Solidarität auf: „Sie können Christus am Altar dienen. Aber ebenso können Sie Christus heute dienen, der auf der Straße lebt, ohne Dach und ohne Rechte." Die Schwestern gingen auf die Straße, nicht zur Prozession, sondern zum Protest. So erreichten sie gemeinsam eine Gnadenfrist von drei Monaten, um die Umsiedlung der Familien zu organisieren. So errichtete man eine neue Siedlung für sie: San Antonio. Die Kirche bauten die Bewohner 1983 gänzlich in Eigenarbeit.

Der Erfolg des ersten Siedlungsprojektes ermutigte P. Leo, weiter zu bauen. Häuser für Menschen, die bislang auf fremdem Grund in notdürftigen Unterkünften aus Blech hausen mussten, ohne Strom und Wasser. Mit viel Durchsetzungsvermögen stürzte er sich in den Kampf mit Großgrundbesitzern und korrupten Beamten, erstritt sich Genehmigung um Genehmigung. Um diese neuen Siedlungen finanzieren zu können, gründete er die „Stiftung für neues Leben“. So entstanden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mehrere neue Siedlungen. Eine nannte er nach dem Gründer der Steyler Missionare „Janssenville“, wo 450 Familien angesiedelt wurden. Aus diesem Dorf erwuchs eine weltweit einzigartige Initiative. Im Flughafen von Manila entstand eine Klinik, in der Fluggäste sich einer professionellen Massage unterziehen können. Alle Angestellten sind Blinde aus Janssenville. - In manchen Siedlungen gibt es auch Ausbildungszentren, in denen Jugendliche einen Beruf oder ein Handwerk erlernen können, sowie Schulen und Kindergärten. P. Leo dachte immer an den Menschen in all seinen Lebensdimensionen. Mehreren Tausend Menschen haben er und seine Helfer mit den Bauprojekten zu einem neuen Dach über dem Kopf verholfen. Für sein Engagement wurde ihm vor zwei Jahren der Mutter-Teresa-von Calcutta-Preis verliehen.

Im Mai 2018 durfte P. Leo seinen 90. Geburtstag feiern, doch seine Kräfte nahmen zusehends ab. Ein Mitbruder berichtete von seinem Geburtstagsbesuch bei P. Leo: „Wir haben uns lange unterhalten; er wartet auf den Tod, hat keine Angst und ist fast froh, dass es bald soweit ist.“ In den frühen Morgenstunden des 25. August verschlechterte sich sein Zustand plötzlich, er starb um 07:12 Uhr morgens.

Wir Steyler Missionare verneigen uns vor P. Leo Schmitt und seinem missionarischen Lebenswerk. Wir danken Gott, ihn in unseren Reihen gehabt zu haben. Wir danken aber auch seiner Familie, seinen Freunden und Wohltätern für ihre Treue und massive Unterstützung und Hilfe während seines Missionsdienstes auf den Philippinen

 

Medienredaktion
Ulla Arens
+49 (0) 2241 / 2576-437
presse@steyler-mission.de

Medienredaktion
Melanie Pies-Kalkum, in Elternzeit

 

Datenschutz  |  Kontakt  | Sitemap  |  Impressum  |  Suche