Indonesien

Pater Karl Scholly SVD verstorben

30.09.2021

Am 22. September starb Pater Karl Scholly SVD in Timor.

Pater Karl Scholly SVD. (Foto: SVD)
Pater Karl Scholly SVD. (Foto: SVD)
Über ein halbes Jahrhundert war er Seelsorger und Missionar mit Leib und Seele, seinen Mitchristen auf Timor immer herzlich verbunden. War sein Hauptdienst auch in der Pfarrei, so war er zu allem bereit, was in der Mission so alles anfallen kann: Als der neue Bischof einen Sekretär suchte, war Karl bereit. Als der Beauftragte ‚Delegatus Socialis‘ das Handtuch warf, sprang Karl ein und gestaltete den Übergang. Im Flores-Timor Plan war er in vielen Fragen kundig.

Und als er die indonesische Staatsangehörigkeit annehmen musste, war er auch dazu bereit, um seinen Dienst im Land weitermachen zu können. Er konnte im Lande und in seiner Arbeit bleiben, sah aber auch die Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten, die der neue Pass nach sich ziehen kann. Nichts war ihm Zuviel, zu allem war er bereit. Das war Karl Scholly.



Familie – Jugend – Ausbildung

Karl war der älteste von Wilhelm Scholly und Gertrud Scholly geb. Leesmeister. Er wuchs mit zwei jüngeren Brüdern und einer jüngeren Schwester in Alsdorf auf. Dort besuchte er 1947 – 1953 die Volksschule.
Seine weitere Ausbildung machte er auf dem Steyler Auslandsgymnasium in Steyl. Hier lernte er auch die Steyler Welt näher kennen und konnte seinen Horizont erweitern.

Er entschied sich, seinen Lebensweg bei den Steylern weiter zu gehen: In St. Gabriel, Mödling, bei Wien machte er das Noviziat und band sich mit den ersten Gelübden am 1.5.1963 an die Steyler Ordensgemeinschaft. Er studierte Philosophie und Missionswissenschaft. Theologie studierte er in Sankt Augustin bei Bonn. Hier trat er für immer durch die ewigen Gelübde (1.5.1967) der Steyler Missionsgesellschaft bei. Am 23.9.1967 zum Priester geweiht, erhielt er die Missionsbestimmung für Timor, Indonesien.


Timor

Nach der Priesterweihe besuchte er zunächst einen Englischkurs. Dann ging es 1969 über Indien, wo er seinen Vetter besuchte, nach Jakarta. Über seine Ankunft und den Einstand in der Hauptstadt Jakarta berichtet er nüchtern und schlitzohrig:

„Zwei Angestellte der SVD-Zentralprokur holten mich ab. Im SVD-Gästehaus zeigten sie mir ein Zimmer, die Kapelle und das Bad. Dann gingen sie fort, es war ja Sonntag. Von den Bewohnern des Hauses war niemand daheim. Ich hatte furchtbaren Durst, wagte es aber nicht, Wasser aus der Leitung zu trinken. Von Indien her wusste ich, wie gefährlich das sein kann. Nach geraumer Zeit klopfte jemand an die Zimmertüre. Es war der Hausjunge, der mich zum Abendessen bat. Ich verstand zwar kein Wort, ging aber in die Richtung, die er mir anzeigte. Auf dem Tisch stand Essen und eine große Kanne Tee. Nach mehreren Tassen Tee aß ich etwas Reis und Gemüse.

Am Dienstag kam der Provinzökonom zurück aus Surabaya. Kurz angebunden fragte er nur: “Woher?” Ich antwortete: ”Von St. Augustin” Darauf er: ”Wohin?” Ich: ”Nach Timor.” Er verschwand. Am nächsten Morgen trafen wir uns im Speisesaal. Er fragte nur: ”Fertig?” Auf mein Ja hin, stand er auf und ging. Am nächsten Tag kam er und sagte: “Mach dich fertig, um 11.00 Uhr wirst du zum Flugplatz gebracht, um nach Denpasar/Bali zu fliegen, von dort nach Timor. Da in Denpasar für wenigstens drei Wochen kein Ticket nach Timor zu bekommen war, fuhr ich nach einigen Tagen mit einem Kleinbus nach Surabaya. Von dort gings mit dem Missionsschiff Ratu Rosari über Weetebula/Sumba, Ende/Flores nach Kupang auf Timor. Dort kamen wir am 1. Juli 1969 an. Nach zwei Tagen auf dem Immigrationsbüro ging die Fahrt weiter mit einem Jeep Richtung Atambua.

Der Bischof von Kupang, Msgr. Gregorius Manteiro, liess mich nach Soe bringen. Der dortige Pfarrer, ein Holländer, empfing uns freundlich und meinte gleich: ”Pater, du musst hier bleiben und Erich besuchen.” Erich war P. Breunig, SVD, der 3 Jahre vor mir in St. Augustin geweiht wurde. Da ich zunächst nicht wollte, weil ich noch kein Indonesisch konnte, sagte er mir: „Pater, sei schlau. Jetzt wissen die Oberen noch nicht, dass du da bist. Nutze die Gelegenheit, etwas von Timor zu sehen. Wenn du bei den Oberen angekommen bist, bekommst du deine Arbeit und kannst nicht mehr herumreisen.“ Recht hatte P. Konijn! Er brachte mich nach Kupang, wo Erich Pfarrer war. Eine Nacht blieb ich bei ihm und erfuhr viel über die Mission. Am nächsten Tag holte P. Konijn mich wieder ab. Am Samstagabend schlug er vor: ”Pater, kannst du gut singen?” Auf meine Antwort, dass ich mehr oder weniger gut singe, sagte er: ”Dann singst Du morgen ein lateinisches Hochamt hier. Vier Jahre nach dem Konzil kannten die Leute die Gesänge noch sehr gut.

Von dort ging es zum nächsten Empfangserlebnis im Pfarrhaus von Kefamenanu. Wieder die Fragen: Woher? Wohin? Die Fragen wurden aber immer freundlicher. Manchmal wollte man wohl wissen, welch Geistes Kind der Neumissionar wohl war? Tags darauf traf ich P. Jeron, der schon ein Jahr hier war. Er konnte mir die neugierigen Fragen deuten.

„Wie es mir in Jakarta erging, erlebten wohl manche Neumissionare. Ich muss sagen, dass ich nachher überall mitbrüderlich empfangen wurde, wenn auch manche Begrüßung mich im ersten Augenblick etwas seltsam anmutete! Sobald man die Sprache spricht, ist der Bann gebrochen.“


Rastloser Arbeiter


Mit dem Erlernen der Nationalsprache Bahasa fing die Arbeit an. Zwölf Jahre war er dann als Kaplan und dann als Pfarrer in Halilulik tätig. Es folgten Besikama, Kada, Alas, Atambua, Lahu-rus, Webora. Manchmal war er nur ein paar Jahre an einer Stelle; überall gab er sein Bestes.

Karl Scholly lebte immer nahe bei den Menschen. Beseelt vom Geist des 2. Vatikanischen Konzils, versuchte er die Christen miteinzubeziehen beim Aufbau von Pfarrei und Reich Gottes. Beim Bauen halfen alle mit, Sand und Steine von weither zu holen. Das war ihm wichtig: Nicht der Pfarrer baut die Kirche, sondern die Gemeinde. Als Pfarrer in Lahurus erlebte dort ein schweres Erdbeben, welches Kirche und Pfarrhaus und viele Häuser im Dorf beschädigte. Er selbst kam knapp mit dem Leben davon, als ein schwerer Stein auf das Kissen fiel, auf dem sein Kopf noch 15 Minuten vorher zur Siesta gelegen hatte.

Schon sechzigjährig wurde ihm in Webora der Aufbau einer neuen Pfarrei anvertraut. Die ganze Infrastruktur musste geschaffen werden. Wieder animierte er die Christen, mitzutun und ihre Pfarrei mit aufbauen zu helfen. – 2007 rief ihn sein neuer Bischof als seinen Sekretär. – Danach wurde er Pfarrer in Nela, einer Gemeinde mit 16.000 Christen. Sie wurde von Steyler Missionaren gegründet und auch stets von ihnen betreut. „Zum Glück habe ich einen guten und mit 16 Priesterjahren auch pastoral erfahrenen Kaplan und wir arbeiteten gut zusammen. Er war auch schon einmal Pfarrer an einer anderen Stelle, hat sich dort aber den Unwillen des Bischofs zugezogen. Ich hoffe aber, dass ich den Bischof im nächsten Jahr überzeugen kann, dass er fähig ist Pfarrer zu werden.“

2017 konnte er mit seinen Kursgenossen in Sankt Augustin sein Goldenes Priesterjubiläum feiern. Vor der Rückkehr stolperte er nach einer Aushilfe in der dunklen Kirche und musste seine Rückkehr verschieben. Zurück auf Timor machte er sich in Nenuk in der Altenkommunität nützlich.

In den letzten Kartagen hatte er Dienst in einer Außenstation. Er hatte sich wohl etwas zu viel zugemutet. Am Karfreitag brach er nach dem Gottesdienst bewusstlos zusammen. Die ärztliche Kunst stellte ihn wieder auf die Beine, die Kräfte kehrten aber nicht mehr ganz zurück.

Wir danken P. Karl Scholly für seinen eifrigen Dienst im Weinberg des Herrn in Indonesien. An seiner Seite standen seine Gemeinden vor Ort und viele gute Freunde und Helfer in der Heimat. Wie sie alle ihm zur Seite standen und Hand anlegten, so werden sie auch alle einmal Anteil haben „an der Freude unseres Herrn!“
Steyler Missionare
 
Melanie Pies-Kalkum

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