Südsudan

Solidarität für das jüngste Land der Erde

04.03.2013

Seit 2011 ist der Südsudan unabhängig und gehört zu den weltweit ärmsten Ländern. Die Initiative „Solidarity with South Sudan“ kämpft engagiert für bessere Lebensumstände vor Ort und kooperiert dabei mit über 200 katholischen Ordensgemeinschaften, unter anderem mit der Steyler Ordensfamilie. Anne Carthy, Development Director von „Solidarity“, im Interview mit Markus Frädrich.

Anne Carthy, Development Director von „Solidarity“zoom
Anne Carthy, Development Director von „Solidarity“

Miss Carthy, was hat es mit „Solidarity with South Sudan“ auf sich?
Die Initiative entstand nach einem Hilferuf der Katholischen Bischofskonferenz im Südsudan. Sie möchte den Menschen im Südsudan beim Wiederaufbau ihres Landes nach jahrzehntelangen Bürgerkriegen helfen und wird von mehr als 200 katholischen Ordensgemeinschaften unterstützt.

Was ist Ihr beruflicher Hintergrund und Ihre Aufgabe bei „Solidarity“?

Ich bin eigentlich Anwältin und habe lange in den Bereichen Unternehmensführung und Unternehmensfinanzierung gearbeitet, unter anderem für IBM. Vor einigen Jahren habe ich die Geschäftswelt verlassen und bin in den gemeinnützigen Sektor gewechselt. Bei „Solidarity“ betreue ich seit zwei Jahren Koordination, Entwicklung und langfristige Finanzierung der Initiative.

Im Rahmen ihrer Tätigkeit haben Sie den Südsudan zweimal besucht. In Teilen des Landes schwelen immer noch Konflikte. Hatten Sie keine Angst?
Nein. Wir reisen sicher und halten uns an die Empfehlungen der UN. Man muss sich in diesem Land nur vorsichtig und klug bewegen. Ja, es gibt immer wieder Unruhen, vor allem in den Grenzgebieten. Ursachen sind meistens Stammeskonflikte und lokale Auseinandersetzungen. Aber was man der Regierung des Südsudan zu Gute halten muss: In den meisten Teilen des Landes herrscht Frieden.

"Solidarity" bildet Ärzte aus dem Sudsudan aus (Foto: Paul Jeffrey)zoom
"Solidarity" bildet Ärzte aus dem Sudsudan aus (Foto: Paul Jeffrey)

Zum ersten Mal haben Sie den Südsudan kurz vor den Feierlichkeiten zu seiner Unabhängigkeit 2011 besucht…

Richtig. Am Flughafen bauten sie gerade ein zweites Terminal, es lag eine ungeheure Geschäftigkeit in der Luft, ständig trafen neue Mitarbeiter internationaler Organisationen ein. Überall war die wunderbare Energie und Freude der Menschen zu spüren, aber auch ihre gespannte Erwartung und Nervosität vor den Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit.

Was macht den jüngsten Staat Afrikas aus?
Das Land für sich genommen ist einfach wunderschön. Der Südsudan hat viele Gesichter: Im Norden ist das Land durch Savannen und Trockenwälder geprägt, im Süden durch tropischen Regenwald. Der Weiße Nil durchfließt die Region. Wenn man mit einem Kleinflugzeug von A nach B fliegt, hat man eine ganz wunderbare Aussicht auf diese atemberaubende Landschaft. Und dann sind da natürlich noch die Menschen im Südsudan: Sie sind aufgeschlossen und gastfreundlich, haben eine mitreißende Lebensenergie und ein großes Verlangen nach Bildung und Fortschritt. Wenn man bedenkt, dass sie mit zwei Bürgerkriegen ein großes Trauma durchlitten haben, ist das unglaublich beeindruckend.

Klingt nach einem sehr positiven Eindruck…

Ich hebe gerne die positiven Aspekte hervor, weil ich es wirklich bewundernswert finde, wie stark die Menschen im Südsudan angesichts ihrer elenden Lage sind. Sie haben eine harte Zeit hinter sich und es fehlt an so vielen Dingen. 92 Prozent der Menschen leben unter der Armutsgrenze. Der Südsudan hat die höchste Müttersterblichkeitsrate der Welt. Eines von fünf Kindern stirbt, bevor es das fünfte Lebensjahr erreicht. Auf der Stelle würden eigentlich 24.000 Lehrer benötigt: 73 Prozent der Menschen sind Analphabeten.

Die Landwirtschaftsschule von "Solidarity" in Riimenze (Foto: Paul Jeffrey)zoom
Die Landwirtschaftsschule von "Solidarity" in Riimenze (Foto: Paul Jeffrey)

Sie wollen gegen diese Missstände angehen, indem Sie sich für die Ausbildung von Lehrern, Krankenschwestern, Hebammen, Landwirten und Gemeindeleitern einsetzen…
Richtig. In unseren Zentren in Yambio und Malakal haben wir schon 1.500 hoch motivierte Lehrer ausgebildet. In Wau bieten wir Kranken- und Gesundheitspflegern und Hebammen eine Ausbildung an, in Riimenze Landwirten. Außerdem haben wir Pastoral-Programme aufgestellt, die Frieden und Versöhnung stiften und Traumata heilen wollen. Wir möchten neue Gemeinden auf den Weg bringen.

Sie könnten mit vielen gemeinnützigen Organisationen zusammenarbeiten. Warum setzen Sie auf katholische Ordensgemeinschaften?

Weil es ungeheuer effektiv ist, wenn christliche Organisationen weltweit zusammenarbeiten. Erinnern Sie sich an den Tsunami in Indonesien 2004? Die religiösen Organisationen vor Ort wussten schneller als alle anderen, was zu tun ist. Im Südsudan ist das ähnlich. Ich sehe, wie kraftvoll es wirkt, wenn diese Organisationen Zeugnis von ihrem Glauben geben. Ihr langfristiges Engagement und die Freude, mit der sie ihrer täglichen Arbeit nachgehen, ist enorm inspirierend.

Auch für die Menschen vor Ort?
Absolut. In unseren fünf Gemeinschaftshäusern arbeiten Ordensleute aus unterschiedlichsten Kongregationen zusammen. Sie stammen aus verschiedensten Ländern und Kulturen, sprechen unterschiedliche Sprachen. Das ist quasi ein ganz eigener Mikrokosmos. Die vielen Stämme, die im Südsudan zu Hause sind und sich oft genug bekriegen, sehen sich das staunend an und fragen sich: Wie könnt ihr alle unter einem Dach zusammenleben?

Gemeinsam für die gute Sache im Einsatz: Ordensleute im Südsudan (Foto: Paul Jeffrey)zoom
Gemeinsam für die gute Sache im Einsatz: Ordensleute im Südsudan (Foto: Paul Jeffrey)

Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Ordensleuten konkret aus?

Wenn Kongregationen mit ihrer Arbeit im Südsudan beginnen, freuen wir uns, sie dabei beraten und unterstützen zu können. Im Land selber können sie uns direkt unterstützen oder einfach mit uns in Kontakt bleiben. Wir helfen uns gegenseitig, zu helfen.

Seit einigen Jahren arbeiten auch Steyler Missionsschwestern im Südsudan, 2012 kamen auch die ersten Steyler Missionare in die Diözese Yei. Mit welchen Stärken bringen sich die Steyler Pioniere in diesem Land ein?
Die Steyler Missionsschwestern und die Steyler Missonare sind großartige, sehr kooperative Ordensleute. Die Steyler Missionare habe ich bereits bei meiner Arbeit in der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Generaloberen in Rom kennengelernt, wo sie sehr engagiert teilhaben. Ihre Fähigkeiten und Talente haben sie mit in den Südsudan gebracht. Die Schwestern unterstützen uns schon seit Jahren auf so vielen verschiedenen Gebieten. Schwester Sneha SSpS und Schwester Mary Stella SSpS etwa unterrichten zum Beispiel beide an der Krankenpflegerschule in Wau. Ihr enormes Engagement und ihre Flexibilität ist bewundernswert.

Eine Mitarbeiterin von "Solidarity" bei der Pastoralarbeit (Foto: Paul Jeffrey)zoom
Eine Mitarbeiterin von "Solidarity" bei der Pastoralarbeit (Foto: Paul Jeffrey)

Würden Sie persönlich noch einmal aus der Geschäftswelt in die Welt der Gemeinnützigkeit wechseln?

ch habe meinen Schritt noch nicht einen Tag bereut. Es ist eine sehr herausfordernde Arbeit, unsere Initiative finanziell auf sichere Beine zu stellen und stete Aufmerksamkeit für die Nöte des Südsudan zu lenken, aber sie erfüllt mich zutiefst. So bin ich dankbar für alle Gebete und jede Unterstützung, die unser Engagement nach vorne bringt.

www.solidarityssudan.org

Markus Frädrich

 

Melanie Pies-Kalkum (zurzeit in Elternzeit)

Medienredaktion
Elternzeitvertretung:
Ulla Arens
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