Missionsgebetsmeinung des Papstes - April 2015

April 2015

Für die verfolgten Christen: Um den spürbaren Trost des Auferstandenen und die Solidarität aller Christen.

P. Jean-Prosper Agbagnon SVD, Togo

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat“ (Ps 121,1-2; EÜ).

Auf einem Flugblatt stand auf Arabisch eine Aufforderung, die mein Mitbruder Moses mir ins Deutsche übersetzte: "Flieht, ohne Gepäck, nur mit der Kleidung am Leib, oder wählt aus drei Möglichkeiten: Übertritt zum Islam, Sondersteuer, oder Hinrichtung durch das Schwert." Das war ein Ultimatum der Terrormilizen des Islamischen Staates (IS) an die verbliebenen Christen nach Einnahme der Stadt Mossul im Irak. Was Pfarrer Moses Dogan, ein Priester der syrisch-orthodoxen Kirche, mir unter Tränen erzählte, war nicht zu fassen. Es ging unter die Haut. Moses war nicht zu trösten. Seine Stimme versagte buchstäblich. Mir kam spontan das Gebet des Psalmisten auf die Lippen: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe?“ Dann las ich aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther: 

„Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird“ (2Kor 4,8-10; EÜ).

Da Pfarrer Moses Dogan seine Sprache immer noch nicht wiedergefunden hat, musste ich allein mit bebender Stimme das ökumenische Gebet für die verfolgten Christen sprechen: 

„Allmächtiger, gnädiger Gott, wir bitten dich für alle, die wegen ihres Glaubens und Handelns in der Nachfolge Jesu verfolgt werden. Sei ihnen gnädig. Rette sie! Verkürze ihr Leid! Schenk ihnen die Kraft, um durchzuhalten. Lass sie in ihrem Zeugnis standhaft bleiben. Gib ihnen Mut und Kraft für jeden neuen Tag. Wehre den Zweifeln, die über sie kommen. Lass sie deine Gegenwart gerade dann erfahren, wenn sie unter Druck geraten. Sei ihnen Sonne und Schild. Bändige ihre Peiniger. Verhilf dem Recht zum Sieg. Bekehre die Herzen derer, die Christen Leid zufügen. Lass sie durch das Vorbild der Märtyrer zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Wir bitten dich für uns, dass wir uns unserer leidenden Geschwister nicht schämen, sondern ihnen zur Seite stehen und sie in unsere Mitte nehmen. Wir bitten dich für alle Menschen, die unter Rechtlosigkeit und Willkür leiden, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden. Steh du ihnen bei. Setz jeder Not und jedem Leid ein Ende. Mach du alles neu. Erhalte uns in der Hoffnung auf dein Reich. Amen!" 

Mir ist nach dieser bewegenden Begegnung mit einem mutigen Mitbruder im Priesterdienst deutlich geworden, unter welchen Umständen Menschen ihren christlichen Glauben bezeugen müssen. Dass Menschen in vielen Ländern ihren Glauben an den Gott des Lebens und seinen gekreuzigten und auferstandenen Sohnes Jesus Christus nicht ungehindert bekennen dürfen, das ist nicht nur besorgniserregend, sondern es macht sehr betroffen und erfüllt mit Trauer. In den Medien und von Augenzeugen kommen täglich Berichte über Unterdrückung und Benachteiligung von Christusbekennern, die nicht nur verfolgt, sondern sogar entführt und ermordet werden. Besonders dramatisch ist die Lage vor allem in einigen islamisch geprägten Ländern. Den dortigen Christen wird nicht nur die Stimme genommen, sondern ihre leibliche Existenz steht unter ständiger Bedrohung und Gefährdung. Sie werden zur Zielscheibe von allerlei Verleumdungen und sehen sich ständig Aggressionen und Angriffen ausgesetzt.

Bei aller begrifflichen und inhaltlichen Differenzierung der Christenverfolgung übersteigt sie in einigen Fällen jegliches Ausmaß latenter Diskriminierung. Dies gilt besonders für die aktuelle Lage der Christen in den von Boko Haram bedrohten Ländern Afrikas sowie in den vom IS besetzten Gebieten. Diesen bedrängten Schwestern und Brüdern im Glauben gelten unsere Solidarität und unser Beistand im Gebet sowie eine verstärkte Aufmerksamkeit der Internationalen Gemeinschaft, aber auch aller Konfessionsgemeinschaften. Als weltweite Glaubensgemeinschaft Jesu schulden wir diesen Schwestern und Brüdern unsere Glaubensverbundenheit im Gebet und in tätiger Nächstenliebe. Wir stehen in der ständigen Pflicht, sie zu vergewissern, dass sie nicht auf sich allein gestellt sind, sondern dass wir ihnen in ihrem Leid mit Wort und Tat stets zur Seite stehen. Wir teilen mit ihnen die Zuversicht, dass Jesus, der den Tod am Kreuz besiegt hat, ihre Tränen trocknen und ihr Weinen zur Freude verwandeln wird.

Mit Papst Franziskus vertrauen wir die weltweit verfolgten Schwestern und Brüder in Christus der Barmherzigkeit Gottes an.


 
 

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