Gebetsmeinungen des Papstes - März 2015

März 2015

Wir beten zu Gott, unserem Vater, für die Männer und Frauen in der Wissenschaft, dass sie in ihren Forschungen das menschliche Leben aufmerksam werten und beachten.

P. Christian Tauchner SVD

Dieser Gebetsintention wird sich der Beter gern anschließen. Zweifellos verdanken wir der Forschung und Wissenschaft unglaublich viel für unser Leben. So viel davon ist unglaublich leichter und schöner geworden – ein Blick in einen historischen Roman aus gar nicht so ferner Zeit ruft es jederzeit in Erinnerung.

Indes ist das Anliegen nicht so einfach, sobald man sich vor Augen führt, in welche Netzwerke Forschung und Wissenschaft eingebunden und verstrickt sind und unter welchen Bedingungen Männer und Frauen in der Wissenschaft ihre Forschungen durchführen.

Es ist ja schon lange nicht mehr so, dass Forschungen zu Ergebnissen führen, weil ein kluger und findiger Mensch Zusammenhänge und Regeln entdeckt. Vor vielen Jahrhunderten war es vielleicht so, dass aus der Betrachtung der Natur, des Kosmos oder des Verhaltens der Menschen jemand auf eine Gesetzmäßigkeit aufmerksam wurde und somit zu Forschungsergebnissen gekommen ist. In unserer Zeit ist die Forschung ein oft nur kleiner Bestandteil in einem größeren und meist äußerst komplexen Zusammenhang: So klar wie bei vielen Forschungen für Rüstung und Krieg ist es nicht oft – dass jemand geforscht hat und zu „brauchbaren“ Ergebnissen kam, wie eine Bombe einen Meter über der Oberfläche explodieren und durch ihre Splitter dann in weitem Umkreis alles niedermähen kann (euphemistisch „daisy-cutter“, Gänseblümchen-Schneider, genannt und in Afghanistan gegen Menschen eingesetzt) – das hat mit Menschlichkeit ja offensichtlich nichts zu tun. Oder die Mitarbeit von Psychiatern bei der Entwicklung der Foltermethode des „water boarding“ (wozu sich der öffentliche Aufschrei eigenartiger Weise in Grenzen gehalten hat). Gerade für den Krieg wird besonders viel und erfolgreich geforscht – „der Krieg ist der Vater aller Dinge“ – und meistens handelt es sich dabei praktischerweise um militärische Geheimnisse, - die „Aufmerksamkeit für das menschliche Leben“ bei den Forschern und Forscherinnen bleibt damit ebenso verdeckt.

Oft geht es in der Forschung schlicht um wirtschaftlichen Gewinn und Gewinnmaximierung – die Diskussion in Deutschland um die Auswahl von Küken in den noch auszubrütenden Eiern und die Eliminierung der weniger gewinnversprechenden Optionen ist ein aktuelles Beispiel dafür. Natürlich geht es da „nur“ um Küken, nicht um Menschen. Allerdings würde ich nicht zu behaupten wagen, dass es hier nicht auch um den Menschen geht: Hin und wieder hört man ja doch von Experimenten und Zweifeln aus dem Bereich der Humangenetik usw. Ethikkommissionen in Politik und Kirchen kommen dazu gelegentlich zu Wort und haben es zunehmend schwerer überhaupt zu wissen, wo denn ihre Fragestellung angesiedelt ist, welche Konsequenzen manche Forschungen haben können, wie es um den Wert für Menschlichkeit und ethische Verantwortbarkeit steht.

Natürlich hat Forschung oft schon ihren Horizont für Sinn und Menschheit überhaupt verloren. Beispiele dafür finden sich etwa bei www.improbable.com, wo darüber berichtet wird, dass manche Forschungsergebnisse doch zumindest eigenartig sind: Wie lässt sich die Reibung zwischen einem Schuh und der Bananenschale messen, auf der jemand ausrutscht, als ein Beispiel… Dort darf man zuerst einmal lachen, dann aber auch ein wenig nachdenken – und mit noch mehr Grund für die Männer und Frauen in der Wissenschaft und für ihre Forschungsarbeit im Dienst am Menschen beten.


 
 

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