Brasilien

„Politische Instabilität schafft weiterhin Probleme“

19.06.2017

Wegen der politisch schwierigen Situation in Brasilien werden Gesundheit und Schulbildung extrem vernachlässigt, berichtet Bruder Ludwig Kaut SVD. Er arbeitet seit 1981 am Amazonas in Brasilien. Seit sechs Jahren ist der Steyler Missionar in der Diözese Óbidos tätig.

Bruder Ludwig Kaut SVD ist seit 36 Jahren in Brasilien tätig.zoom
Bruder Ludwig Kaut SVD ist seit 36 Jahren in Brasilien tätig.

Vor allem Korruption erschwert das Leben der Bevölkerung in Brasilien immer weiter. Auch Staatspräsident Temer soll darin verwickelt sein, erzählt Bruder Ludwig Kaut SVD während seines aktuellen Heimaturlaubs in Sankt Augustin. Es gehe um Schweigegelder für Politiker und Bestechung der Justiz.

„Und unter all dem hat die Bevölkerung natürlich am Meisten zu leiden“, so der Steyler Missionar. Zusammen mit fünf Mitbrüdern und vier Priestern betreut er Gemeinden in 130 verschiedenen Dörfern im Amazonas-Gebiet Alenquer. „Die Themen Gesundheit und Schulbildung müssen ein besonderes Augenmerk bekommen“, betont Br. Ludwig. Es fehle praktisch an allem. Die Infrastruktur der Straßen, Gebäude und Schulen sei unmenschlich. Die Schulen besonders im Landesinneren hätten keine Toiletten, kein Schreibmaterial. Schultafeln seien verrottet. „Zwischenmahlzeiten gibt es nicht, weil niemand sie vorbereitet", weiß der Steyler. Außerdem hätten Omnibusse in den Ferien repariert werden müssen, was aber nicht geschehen sei. Dazu komme, dass Straßen und Wege aufgrund von schweren Regenfällen gar nicht passierbar seien. „Gemeinde und Staatsregierung sorgen nicht dafür, dass der Transport der Schüler unter sicheren Bedingungen geschehen kann“, beklagt der Missionar. „Wie sollen die Kinder also überhaupt in die Schule kommen? Wir Steyler versuchen deshalb mit Vertretern der Gewerkschaften Forderungen zu stellen, um zum Beispiel Sicherheit im Straßenverkehr zu gewährleisten.“

Aber das sind laut Bruder Ludwig nicht die einzigen Probleme rund um das Thema Bildung: „Anfang Februar sollte die Schule beginnen. Begonnen hat sie aber erst Mitte April“, erzählt er. „Die Lehrer fangen zu Beginn oft an zu streiken wegen ungerechtem Lohnempfinden.“

Laut einer im April 2017 veröffentlichen Studie gehen 2,5 Millionen junge Brasilianer zwischen vier und siebzehn Jahren nicht zur Schule. Eine Schulpflicht ist zwar vorhanden, wird aber nicht kontrolliert. Rund 60 Prozent der Schüler verlassen die Schule ohne Abschluss. Bei den Mädchen bis 17 Jahren hat zudem rund ein Drittel bereits ein oder mehrere Kinder. Rund 60 Prozent der jungen Mütter gehen weder zur Schule, noch arbeiten sie.

Für Br. Ludwig und seine Mitbrüder ist der Kampf gegen die Korruption das Mittel, um zu mehr sozialer Gerechtigkeit zu gelangen: „Deshalb haben wir Leute der Kirche in den Gemeinderat gebracht, denen wir vertrauen und von denen wir wissen, dass sie sich nicht haben kaufen lassen, dass sie korrekt und nicht in Skandale verwickelt sind. Und dafür werden wir uns in Zukunft auch noch mehr einsetzen.“

Melanie Pies
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Melanie Pies

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