Philippinen

Zurück im Alltag

26.11.2018

"Die Wiederaufbauarbeit nach dem Super-Taifun Haiyan vor fünf Jahren ist beendet", erzählt der Hauptverantwortliche Steyler Missionar Pater Anthony Salas SVD im Interview. Jetzt geht es darum, die Menschen in ihrem Lebensalltag weiterhin zu unterstützen.

Vor fünf Jahren hinterließ "Haiyan" auf den Philippinen eine einzige Welle der Zerstörung. (Foto: SVD)zoom
Vor fünf Jahren hinterließ "Haiyan" auf den Philippinen eine einzige Welle der Zerstörung. (Foto: SVD)
Pater Antony Salas SVD leitet die Wiederaufbauprojekte der Steyler Missionare auf den Philippinen. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Pater Antony Salas SVD leitet die Wiederaufbauprojekte der Steyler Missionare auf den Philippinen. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)

Pater Anthony, fünf Jahre nach „Haiyan“: Wie würden Sie die aktuelle Situation der Menschen beschreiben?

Die Überlebenden des Taifuns sind nun wieder in der Lage, weiterzumachen. Viele haben geliebte Menschen verloren, haben um sie getrauert und tun dies immer noch. Aber Schritt für Schritt blicken sie nach vorne. Das liegt an der Ausdauer der Filipinos. Sie fallen, landen auf ihren Füßen und gehen weiter. Ich würde sagen, die Normalität ist nun wieder – so gut es eben geht – eingekehrt. 

Haiyan ist durch seine Stärke in die Geschichte eingegangen: Was hat sich verändert?
Solch einen Taifun hat es noch nie gegeben und durch die Angst, dass so etwas noch einmal passieren könnte, haben sich das Bewusstsein und Verhalten der Menschen geändert. Sie reagieren nun viel schneller auf Evakuierungen. Sobald eine Sturmwarnung kommt, nehmen sie sie ernst und fliehen sofort in Schutzräume. Selbst Kinder lernen mittlerweile schon in der Schule, wo das nächste Evakuierungszentrum liegt.

Auch heute noch ist das Ausmaß der Zerstörung durch Haiyan überall zu sehen. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Auch heute noch ist das Ausmaß der Zerstörung durch Haiyan überall zu sehen. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)

Tausende Menschen mussten wieder ganz von vorne beginnen. Woher haben sie die Kraft genommen?

Die Philippinen sind ein Land, in dem Katastrophen üblich sind. Wir haben mindestens 25 Taifune im Jahr, wir haben Erdbeben, Überflutungen. Geografisch liegen wir eben in einer gefährlichen Zone. Erstens sind es vor allem der Glaube und die Spiritualität der Menschen, die ihnen die Kraft geben, damit zu leben. Sie leben immer in der Hoffnung und ja, eigentlich schon in dem Wissen, dass alles wieder besser wird. Und zweitens die Solidarität. Seit Haiyan erlebe ich sie noch einmal ganz neu und in verstärkter Form. Menschen, die sich nicht kennen, helfen einander, ihre Häuser aufzubauen. Und sie haben gehört, dass sie ihre Häuser aufgrund von Spenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wiederaufbauen können, obwohl sie noch nicht mal wissen, wo diese Länder liegen. Aber diese Tatsache – die Hilfe aus anderen Ländern – gibt ihnen so viel Hoffnung. Sie verspüren große Dankbarkeit und können nach vorne blicken.

Und Sie persönlich, woher nehmen Sie Ihre Stärke und Motivation?
Auch aus meinem Glauben. Ich bin nicht nur ein Arbeiter und Entwicklungshelfer. Ich bin Missionar und ich sehe, dass auch in der schlimmsten Katastrophe Gott seine Arbeit tut. Eben durch jene Solidarität, die wir hier erleben durften und dürfen.

Hat sich der Begriff „Mission“ für Sie mit dem Erleben von Haiyan verändert?

Wenn ich auf den Sturm zurückblicke, dann hat „Mission“ heute drei wichtige Aspekte für mich. Zunächst heißt es, sofort zu reagieren und den Menschen in Not zu helfen. Und zwar, egal wer sie sind, welche Religion sie haben, woher sie kommen. Sie alle sind Menschen, die Angst und Hunger haben und nicht wissen, wohin sie gehen sollen. Zweitens: Mission ist Solidarität. Wir haben sie nach Haiyan erlebt. Menschen aus Europa haben gespendet, um uns zu helfen, obwohl sie uns nicht kennen. Und das dritte ist: Mission heißt auch, sich unserer Verantwortung der Schöpfung gegenüber wieder bewusst zu werden. Vielen Menschen dieser Welt ist nicht bewusst, was Luft- und Umweltverschmutzung in anderen Teilen der Welt – wie zum Beispiel hier – an Naturkatastrophen bringt. Das hängt alles zusammen. Mission heißt also, das Bewusstsein der Menschen zu stärken, unsere Umwelt mehr zu schützen, damit solche Katastrophen in dem Ausmaß in Zukunft nicht zunehmen.
Lange Zeit konnten Kinder nach dem Taifun nicht zur Schule gehen. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Lange Zeit konnten Kinder nach dem Taifun nicht zur Schule gehen. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)
Die Steyler Missionare haben 70 Klassenräume auf den Inseln Cebu und Leyte wiederaufgebaut. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Die Steyler Missionare haben 70 Klassenräume auf den Inseln Cebu und Leyte wiederaufgebaut. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)
 

Nun ist die Wiederaufbauarbeit beendet. Was haben die Steyler Missionare bis heute geleistet?
Nach der Nothilfe haben wir rund 5.000 Häuser in den Großräumen Leyte und Cebu wiederaufgebaut, indem wir den Menschen Baumaterialien und Werkzeug zur Verfügung gestellt und sie im Bau unterstützt haben. Außerdem wurden 70 Schulräume neu errichtet und die Menschen in ihren Traumata psychologisch begleitet.

5.000 Häuser haben die Steyler Missionare nach dem Taifun auf den Philippinen wiederaufgebaut. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
5.000 Häuser haben die Steyler Missionare nach dem Taifun auf den Philippinen wiederaufgebaut. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)

Die Häuser sind, wie auf den Philippinen üblich, aus Holz und Wellblech erbaut und es kommen immer wieder neue Taifune. Halten Sie stand?

Ja, wir haben schon einige Taifune gehabt nach Haiyan, aber zum Glück haben nur wenige Häuser kleine Schäden erlitten. Wir mussten uns entscheiden: Bauen wir massive Häuser für nur eine Handvoll Menschen? Nein, wir wollten schnell und so vielen Menschen wie möglich helfen. Darauf lag unser Fokus. Nur so konnten wir 5.000 Familien wieder ein Dach über dem Kopf ermöglichen. Im Laufe der Jahre können die Menschen ihre Häuser dann verfestigen, wenn sie über einen längeren Zeitraum in ihren Lebensalltag zurückgekehrt sind.

Wie unterstützen die Steyler Missionare sie darin?
Jetzt, wo die Aufbauarbeit beendet ist, geht es vor allem darum, dass Menschen mit ihrer Arbeit genug verdienen und dass die Kinder wieder zur Schule gehen. Nur durch Bildung können sie später einen Beruf erlernen. Deshalb organisieren wir sogenannte „Livelihood-Programme“. Das sind Programme, durch die wir Familien in ihren Berufen als Farmer mit zum Beispiel Kühen, Wasserbüffeln, Hühnern und Ziegen unterstützen. Außerdem bieten wir Weiterbildungen an in Wirtschaftsbereichen oder ähnliches. Die Menschen müssen in einen routinierten und normalen Alltag zurückkehren und dortbleiben. Nur so können sie ihre Traumata weiterverarbeiten. Und darin begleiten wir sie mit allem, was uns zur Verfügung steht.

Glaube und Familie sind den Menschen auf den Philippinen am Wichtigsten. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Glaube und Familie sind den Menschen auf den Philippinen am Wichtigsten. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)
Interview: Melanie Pies-Kalkum
 

Melanie Pies-Kalkum

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