Philippinen

Nicht nur arm, sondern auch vergessen

19.11.2018

Es gibt nur wenige Menschen, die die kleine philippinische Insel Ubay Islet kennen. Auch sie wurde vom Taifun Haiyan zerstört und von den Steyler Missionaren wiederaufgebaut. Zusammen mit der Steyler Projektkoordinatorin Maricor hat unsere Autorin Melanie Pies-Kalkum sie besucht.

Die philippinische Insel Ubay Islet besteht einzig und alleine aus ein paar Häusern. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Die philippinische Insel Ubay Islet besteht einzig und alleine aus ein paar Häusern. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)
Welle für Welle kämpft sich unser kleines Fischerboot nach vorne. Die tropische Sonne brennt über uns. Nur das Meerwasser verschafft uns jedes Mal Abkühlung, wenn unser Boot wieder in die Wellen eintaucht. Der Motor macht einen ohrenbetäubenden Lärm. Und trotzdem scheint es manchmal, als kämen wir gar nicht vorwärts. Hinter uns liegt Bohol, das Touristenparadies der Philippinen mit weißen Sandstränden. Vor uns, der absolute Kontrast dazu: Ubay Islet. Eine fußballfeldgroße Insel, die ein Tourist niemals zu Gesicht bekommen wird. Ich selbst traue meine Augen nicht, während wir weiter darauf zusteuern. Sie ist nicht mehr als ein Stück Land, das aus dem Wasser schaut mit rund 40 Häusern. Kein einziger großer Baum, keine Laterne, kein Turm – einzig und allein Haus an Haus. Selbst die Kapelle hat darauf keinen Platz mehr gefunden. Sie liegt links davon auf einer noch kleineren Insel, wie für sie gemacht, umgeben von Mangroven.
Kinder spielen im seichten Wasser vor Ubay Islet. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Kinder spielen im seichten Wasser vor Ubay Islet. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)
Plötzlich wird das Wasser um uns herum ruhiger, seine Farbe wechselt zu türkisblau und ich kann den Boden sehen. So fasziniert von dieser Insel, habe ich gar nicht bemerkt, dass wir schon da sind. An einem kleinen Betonsteg legen wir an. Sofort kommen Kinder auf uns zu gerannt und springen neben unserem Boot ins Wasser. Ihr Lachen steckt uns an. Ein Nachzügler bleibt vor mir stehen, nimmt meine Hand und berührt damit seine Stirn. Eine philippinische Art der Begrüßung, die Respekt und Gottes Segen entgegenbringen soll, habe ich gelernt. Ich begrüße den Jungen und danke ihm lächelnd. Langsam gehen wir zwischen den Häusern der Insel hindurch. Typisch philippinisch sind sie aus Bambus gebaut. Interessant ist aber ihre Form. Wie ein Schiffsbauch, der auf Stelzen gesetzt ist. Hier dreht sich das ganze Leben um Wasser. Wasser ist Leben. Die Bewohner der Insel leben von aller Art Fisch, Meeresfrüchten und Algen. Das Regenwasser wird aufgefangen. In der Trockenzeit bekommen sie Trinkwasser aus Bohol gebracht. Immer wieder müssen wir uns ducken, um nicht gegen die Netze zu laufen, die überall aufgehangen sind, um kleine Fische zu trocknen.
Die von den Steyler Missionaren auf Ubay Islet gebauten Häuser sind auf Stelzen errichtet. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Die von den Steyler Missionaren auf Ubay Islet gebauten Häuser sind auf Stelzen errichtet. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)
Sie gleichen einem Schiffsbauch. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Sie gleichen einem Schiffsbauch. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)
 
Einen Monat vor dem großen Taifun „Haiyan“ 2013 zerstörte ein Erdbeben der Stärke 7,2 Bohol und die umliegenden Inseln. „Haiyan hat dann vier Wochen später das, was hier auf Ubay Islet noch stand, mitgerissen“, erzählt mir Maricor. Sie arbeitet als Koordinatorin für die Wiederaufbauprojekte der Steyler Missionare.
Zwischen den Häusern ist die Zerstörung noch zu sehen. Holzbalken, Steine und Äste liegen herum. Maricor zeigt mir die neuen Häuser. 40 Stück haben die Steyler Missionare hier auf Ubay Islet wiederaufgebaut. Für mehr wäre auch gar kein Platz. „Nach den beiden Naturkatastrophen haben die Menschen wochenlang erst einmal auf ihren Fischerbooten gelebt. Zum Kochen gingen sie kurz an Land, aber wegen der Angst vor Folgebeben oder -taifunen dann direkt wieder zurück aufs Wasser. Die erste Nothilfe nach Erdbeben und Taifun galt damals erst einmal den Menschen auf den Hauptinseln. Wer weiß, wie lange die Bewohner von Ubay Islet ohne Hilfe der Steyler Missionare noch auf ihren Booten hätten bleiben müssen.
Die Bewohner von Ubay Islet leben von gesammeltem Regenwasser und allem, was das Meer an Nahrung zu bieten hat. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Die Bewohner von Ubay Islet leben von gesammeltem Regenwasser und allem, was das Meer an Nahrung zu bieten hat. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)

Ubay Islet – ein Beispiel für das Missionsverständnis der Steyler Missionare, an den Rand der Gesellschaft zu gehen. Sie sind in den abgelegensten Gebieten dieser Welt tätig, an Orten, die niemand kennt, dort, wo Menschen vergessen werden, wie die von Ubay Islet. Hier hat Armut noch ein anderes Gesicht: das des Vergessenseins.

Zum Glück haben sie jetzt ihre Häuser wieder, gehen fischen und wirken zufrieden. Das sieht man in ihren Gesichtern. Sogar einen Klassenraum gibt es, in dem Kinder der ersten und zweiten Klasse von Lehrern aus Bohol unterrichtet werden. Ältere fahren auf die Nachbarinsel in die Schule. „Viele von ihnen lernen ihre Partner irgendwann auf dem College auf einer der großen Inseln kennen und wollen dann gemeinsam mit ihrer neuen Familie wieder auf Ubay Islet leben“, erzählt Maricor. Dann finden sie in den Häusern ihrer Eltern oder Großeltern Platz. Maricor lächelt: „Die Insel ist eben ihre Heimat. Und die haben die Steyler Missionare ihnen zurückgegeben.“

Die Fischerboote sind für die Menschen auf Ubay Islet Lebensgrundlage. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Die Fischerboote sind für die Menschen auf Ubay Islet Lebensgrundlage. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)
Melanie Pies-Kalkum
 

Melanie Pies-Kalkum

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