Philippinen

Geboren im Müll

24.09.2018

45 Jahre hat Stella auf den Müllkippen der philippinischen Insel Cebu verbracht. Mit Hilfe der Steyler Missionare konnte sie zusammen mit ihrer Familie nun in ihr eigenes Haus ziehen.

Stella und ihr Sohn Neil wohnen nun in ihrem eigenen Haus. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Stella und ihr Sohn Neil wohnen nun in ihrem eigenen Haus. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)

Davon hat Stella ihr Leben lang geträumt. Wie andere Menschen einmal auf sauberen Straßen zu gehen, saubere Luft zu atmen, sauberes Essen zu kochen – bis vor drei Jahren noch unvorstellbar für die „Frau vom Müll“. Gestank, ein Boden aus meterdicken Müllschichten, tropische Hitze, Ratten und Moskitos: Hier ist Stella nicht nur geboren und aufgewachsen. Die Müllkippen der philippinischen Insel Cebu waren ihre Heimat. Und zwar 45 Jahre lang. Jeden Tag lieferten die Müllabfuhren neuen Unrat vor ihrer Haustür ab. Wie tausende andere Slumbewohner sortierte sie ihn, suchte heraus, was noch verwertbar war und verkaufte es. Auch zu essen fand sie darin, meistens in den Resten der Fastfoodkette Jollibee. Die wurden dann gekocht und wiederverwertet. Ihr Leben war der Müll – der Müll war ihr Leben.

Die Müllkippen von Cebu waren 45 Jahre lang Stellas Heimat. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Die Müllkippen von Cebu waren 45 Jahre lang Stellas Heimat. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)

Dort lernte sie ihren Mann kennen und dort kamen ihre sechs Kinder zur Welt. Auch sie wurden zu Müllkindern und halfen tatkräftig mit beim Sortieren. Aus dem, was sie fanden, bauten sie sich Zelte. Oft musste Stella mit ihrer Familie umziehen zwischen den Müllkippen. Manchmal, weil die Regierung die Region verlegte, um Cebu Stadt „schöner und westlicher“ zu machen. Manchmal, weil sich Stella und ihre Familie nicht mit den Nachbarn verstanden. Vor vier Jahren war das ihr Glück, auch wenn sie wieder einmal von vorne anfangen mussten. Sonst hätte Stella nie von ihren neuen Nachbarn gehört, dass es die Steyler Missionare gibt und dass sie ihr Weg in ein besseres Leben sein könnten, dass sie sogar ihr Weg in ein eigenes Haus mit vier Wänden aus Stein sein könnten.

Heute steht Stella in ihrem Wohnzimmer im Erdgeschoss. Draußen scheint die Sonne und Kinderlachen erfüllt die Luft. Tränen laufen ihre Wangen hinunter, als sie anfängt zu erzählen: „Wir hatten nichts, noch nicht einmal ein ordentliches Dach. Und jetzt hat mein Sohn Neil oben sogar sein eigenes Zimmer.“

Stella steht in ihrem neuen Wohnzimmer. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Stella steht in ihrem neuen Wohnzimmer. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)

Stella und ihre Familie sind eine von 264, die dank der Steyler Missionare in das neugebaute Dorf „San Pio“ in ihr eigenes Haus umsiedeln durften. Sechs Steyler Dörfer gibt es mittlerweile in Cebu, in denen Slumbewohner ein neues Leben beginnen können. Sie bestehen aus zweistöckigen Reihenhäusern, die die Bewohner selbst mit bauen. Unten ein Wohn- und Essbereich. Oben weitere drei Räume. Und im Zentrum des Dorfes, was überall dazugehört: ein Basketballplatz für das Hobby der meisten Filipinos.

264 Häuser haben die Steyler Missionare in "San Pio" neu gebaut. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
264 Häuser haben die Steyler Missionare in "San Pio" neu gebaut. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)

Auch ein Gesundheitszentrum gibt es mit Medikamenten und Erste-Hilfe-Sets. Dort hilft die 48-jährige Stella einmal die Woche den freiwilligen Ärzten, die Menschen hier medizinisch zu versorgen. Daneben nimmt sie an Kursen im Gesundheitsbereich teil. Sie gehören zu den sogenannten „Livelihood-Programmen“ der Steyler Missionare, die verschiedene Bildungsveranstaltungen, Workshops und Kurse anbieten, um den Menschen eine Zukunft mit einem Arbeitsplatz zu ermöglichen. „Früher musste ich mit ansehen, wie meine Kinder die giftigen Dämpfe der Müllkippe einatmeten und ständig schlimme Krankheiten hatten“, sagt Stella und blickt kopfschüttelnd zu Boden. „Jetzt sind sie die meiste Zeit gesund und ich lerne, wie ich ihnen und den anderen Menschen hier im Dorf helfen kann, wenn sie doch einmal krank werden oder sich verletzen.“

Alle bringen sich ein im Dorf „San Pio“. Erst wird das Haus mitgebaut, dann übernimmt jeder seine Aufgabe. Sei es in der Kinderbetreuung, damit die Eltern einem Job nachgehen können, oder als Nachtwart, damit kein Fremder einfach ins Dorf kommt. „Wir sind hier eine Gemeinschaft und helfen uns gegenseitig“, weiß Stella. Das musste sie erst lernen, denn auf dem Müll kämpft jeder für sich selbst und seine Familie. Ihr Mann arbeitet weiterhin dort und verkauft, was er findet. Wenn Stella aber ihre medizinischen Kurse beendet hat, kann sie das Geld für die Familie verdienen und ihr Mann in die Workshops gehen und einen richtigen Beruf erlernen. Stella strahlt: „Dann ist es vorbei mit dem Müll, und zwar endgültig!“

Dorf "San Pio" auf der philippinischen Insel Cebu. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Dorf "San Pio" auf der philippinischen Insel Cebu. (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)
Melanie Pies-Kalkum
 

Melanie Pies-Kalkum

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