Indonesien

„Sie sehen die Gefahren nicht.“

30.07.2018

Heute ist der Welttag gegen Menschenhandel. Moderner Sklavenhandel ist immer noch überall auf der Welt real, so auch in Indonesien. Dagegen kämpft der Steyler Missionar Pater Paul Rahmat SVD.

Pater Paul Rahmat SVD. (Foto: SVD)
Pater Paul Rahmat SVD. (Foto: SVD)

Pater Rahmat, warum verlassen die Menschen in Indonesien ihre Heimat?

Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit sind die Hauptgründe, welche die Menschen in die Flucht treibt. Gerade in den abgelegenen Gebieten in Indonesien brechen viele Jugendliche weiterhin die Schule ab und landen auf der Straße. Sie gehen dann in Nachbarländer, um dort Arbeit zu suchen. Aus Indonesien reisen die Meisten nach Malaysia oder Hong Kong.

Was passiert dann?

Weil sie nur teilweise oder gar nicht gebildet sind, keine Qualifikationen haben, sich oft noch nicht einmal ausweisen können, landen sie dort irgendwann in Arbeitsverhältnissen, in denen sie ausgenutzt und misshandelt werden. Es gibt keine medizinische Versorgung für sie. Viele von ihnen sterben sogar.

Viele Kinder bleiben zurück, wenn die Eltern ins Ausland gehen, um dort Arbeit zu suchen. (Foto: SVD)zoom
Viele Kinder bleiben zurück, wenn die Eltern ins Ausland gehen, um dort Arbeit zu suchen. (Foto: SVD)

Können Sie aktuelle Zahlen nennen?

Im vergangenen Jahr 2017 haben 1.9 Millionen von 4.5 Millionen Indonesiern im Ausland gearbeitet. Von ihnen sind 62 gestorben. Dieses Jahr haben wir bereits 19 Tote zu registrieren. Zwischen 2005 und 2014 sind über 7.000 Menschen Opfer von modernem Sklavenhandel geworden; davon 5.000 Frauen.

Und diejenigen, die ins Ausland gehen, wissen um ihr mögliches Schicksal. Wieso gehen sie dennoch?

Ja, sie hören von den schlimmen Erfahrungen und Todesfällen. Aber das verdrängen sie. Einige sterben, aber die anderen bringen Geld mit nach Hause. Ihre Perspektivlosigkeit ist so groß, dass sie nur diese Erfolgsgeschichten in den Blick nehmen und überzeugt sind, dass sie es schaffen können.

Was tun die Steyler Missionare in Indonesien dagegen?

Das Wichtigste ist, das Bewusstsein der Menschen für diese Problematik zu stärken. Sie müssen verstehen, wie gefährlich es für sie im Ausland werden kann. Und: Wir müssen ihnen einen Anreiz bieten, zuhause zu bleiben. Deshalb setzen wir uns des Weiteren für die Bildung der Menschen ein. Wir bilden sie in landwirtschaftlichen Berufen und Berufen im Gesundheitsbereich aus. Nur so haben sie die Möglichkeit, hier in Indonesien einen Job zu finden und auf eigenen Füßen zu stehen.

Die Steyler Missionare bilden die Menschen in Indonesien zum Beispiel im landwirtschaftlichen Bereich aus, damit sie ihre Heimat nicht verlassen müssen, um Arbeit zu finden. (Foto: SVD)zoom
Die Steyler Missionare bilden die Menschen in Indonesien zum Beispiel im landwirtschaftlichen Bereich aus, damit sie ihre Heimat nicht verlassen müssen, um Arbeit zu finden. (Foto: SVD)
Melanie Pies-Kalkum
 

Melanie Pies-Kalkum

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