Beim Superior Delegatus

"Die Steyler Missionare sind dankbar, Pater Hermann Lauck in ihren Reihen gehabt zu haben": Pater Gerhard Lesch tippt die letzten Zeilen eines Nachrufs in seinen Computer. Vor dem Bürofenster des Beauftragten für die Missionare während ihres Deutschlandaufenthaltes landet gerade ein Segelflugzug auf dem Sportflugplatz Bonn-Hangelar. Auf der Fensterbank stehen afrikanische Holzfiguren.

Erinnerungsstücke aus dem Kongo: Über dreißig Jahre wirkte Lesch dort als Missionar, bevor er nach einem einjährigen Zwischenstopp in Kenia nach Sankt Augustin kam, um Ansprechpartner für die reisenden Missionare zu werden: "Superior Delegatus". "Unser Büro hat die Aufgabe, immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Missionare und ihrere Angehörigen zu haben", sagt Pater Lesch. "Wir kümmern uns um die Flugtickets für ihre Reise, ihre Abholung vom Flughafen, ein Zimmer in der Prokur. Außerdem bereiten wir Termine beim Arzt und im Troisdorfer Krankenhaus vor, besorgen Medikamente und arbeiten sehr gut mit den beiden Schwestern Radoslava und Schwester Kleofina vom Krankenstock des Missionspriesterseminars zusammen." Alle drei bis vier Jahre kehren die deutschen Missionare in der Regel in die Heimat zurück – Pater Lesch sorgt dafür, dass sie sich so wohl wie möglich fühlen. "Viele freuen sich zum Beispiel auf das deutsche Brot, das es in der Mission nicht gibt", sagt Lesch. "Andere heißen wir mit Apfelsaft, einem Eis oder Obstler willkommen."

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Pater Lesch zur Seite steht Luzia Groß, zu deren Schreibtisch der Weg vieler Heimaturlauber als Erstes führt. 2003, nach 25 Jahren als Krankenschwester im Bonner Marienhospital, kam sie ins Büro des Superior Delegatus. "Durch meinen beruflichen Hintergrund kann ich gezielt fragen und aufklären, wenn die Missionare gesundheitliche Beschwerden haben", sagt Groß. Oft hilft sie den Missionaren auch, sich nach Jahrzehnten im Ausland wieder im deutschen Alltag zurecht zu finden. Das hat ihr den Spitznamen "Missionarsmutter" eingebracht. "Ich finde das eine schöne Bezeichnung, vielleicht, weil ich selber eine gute Mutter hatte", sagt Groß. "Ich persönlich jedenfalls nehme sehr viel aus der Begegnung mit den Missionaren und ihren Erzählungen mit."

Über Neuigkeiten aus Deutschland, aber auch Todesfälle in den eigenen Reihen hält das Büro des Superior Delegatus die Missionare per E-Mail auf dem Laufenden. "Inzwischen sind die meisten Mitbrüder online", sagt Pater Lesch. "Nur mit ganz abgelegenen Regionen ist die Kommunikation via E-Mail nach wie vor schwierig. Pater Josef Roth, der in den Bergen von Timor arbeitet, muss etwa immer noch 60 Kilometer bis zum nächsten Internetcafé fahren."

Das Telefon klingelt – Pater Leschs Durchwahl ist eine der bekanntesten auf dem Klostergelände. "Es hat sogar schon mal um drei Uhr morgens eine Dame aus Kolumbien angerufen und sich nach einem Urlaubermissionar erkundigt", sagt Lesch schmunzelnd. "Als sie sich wegen meiner verschlafenen Stimme nach der Uhrzeit bei uns erkundigt hat, ist ihr spontan ein ‚Santa Madre de Dios’ entfahren."

 
 

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